Bewerbersuchmaschine „Identified“: Scoring von Menschen eingeführt

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Der Internet-Suchmaschinendienst Identified, der in den USA vor fünf Monaten mit mehr als 40 Millionen Personen, 60.000 Unternehmen und 8.000 Hochschulen an den Start ging, erfreut sich einer zunehmenden Nachfrage seiner Dienste.

Berufstauglichkeit auf einer Skala von 1 bis 100

Zentrale Funktion von Identified ist es, anhand zuvor festgelegter Parameter ein Scoring über Bewerber zu erstellen, die Unternehmen die Auswahl geeigneter Bewerber ermöglichen soll. Dazu erstellt Identified Profile der Arbeitssuchenden, wozu sie Aktivitäten in den Bereichen „Berufsleben“, „Ausbildung“ und „Soziale Netzwerke“ auswertet. Für jedes dieser Bereiche wird dem Bewerber ein Scorewert zwischen 0 und 100 zugeteilt sowie ein zusätzlicher Gesamtscorewert. Unternehmer und Arbeitsvermittler bekommen so im Vergleich zu Diensten wie LinkedIn eine bereits nach Rängen sortierte Auswahl potentiell geeigneter Bewerber zur Verfügung gestellt.

Anzapfen von Facebook-Profilen – auch denen von Nichtnutzern

Datenschutzrechtlich brisant ist die Herkunft der für die Profilerstellung notwendigen Informationen: Diese werden aus den Facebook-Profilen der Nutzer gezapft. Neben den Informationen der Identified-Nutzer wird auch auf die Informationen der Facebook-Freunde zugegriffen. So werden auch Scorings für nichtregistrierte Nutzer erstellt. Ein Großteil der 40 Millionen Nutzer, über die in der Anfangszeit Scorings erstellt worden sind, bestanden aus nicht registrierten Nutzern.

Perfider Bewertungsmechanismus

Haarsträubend ist auch der Umstand, dass der Bewertungsmechanismus von Identified schwerpunktmäßig auf dem quantitativen Vorhandensein von Nutzer-Informationen beruht. Das Scoring-Ergebnis fällt höher aus, je mehr Informationen Identified zur Verfügung stehen. Die Nutzer werden dazu animiert, möglichst viele Informationen über sich auf Facebook preiszugeben um in die höheren Scoring-Ränge aufzusteigen.

Kein weiter Weg vom Scoring zum Rating

Die Gründer von Identified, Brendan Wallace und Adeyemi Ajao – letzterer der Gründer von Tuenti.com, dem spanischen Facebook – planen bereits die Einführung zusätzlicher Parameter, um durch ein feinmaschigeres Raster detailliertere Profile für Ihre Scorings erstellen zu können. Sie haben schon ihre Einschätzung verlautbart, wonach ihre Dienste nicht nur für die Jobsuche, sondern auch für andere wirtschaftliche Zwecke nutzbar seien.

In bitterer Wahrheit bezeichnen sie ihre Suchmaschine selbst als „Google-Ranking für Menschen“.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Pingback: Bewerbersuchmaschine „Identified“: Scoring von Personen eingeführt | Konsumer.info
  2. Die Privatsphäre ist abgeschafft. Verweigerung des Online-Datenstriptease wird mit Arbeitslosigkeit geahndet.

    Man kann auch viel Blödsinn über sich und Andere in Social Networks schreiben. Blender sind in der Realität schon ein Problem. Schauspieler ohne fachliches Können in Vorstellungsgesprächen waren Gestern. Morgen wird der Unternehmer schon mit falschen Informationen verarscht, bevor er eine Stellenanzeige geschaltet hat.

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