Blackphone: Datenschutz-Smartphone für 629 Dollar

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Auf dem Mobile World Congress  in Barcelona wurde jetzt ein Datenschutz-Smartphone namens Blackphone vorgestellt. Das Gerät wurde unter anderem von Phil Zimmermann mit entwickelt, dem Erfinder der E-Mail-Verschlüsselungssoftware Pretty Good Privacy (PGP). Gute Voraussetzungen also für eine nachhaltige Implementierung des Datenschutzes in dem technisch gut ausgestatteten Gerät.

Datenschutz in der Entwicklung im Fokus

Phil Zimmermann beschreibt den Ansatz in der Entwicklung ganz deutlich:

„Wir sind kein Telefonhersteller, der eine Privatsphären-Funktion entwickelt. Wir sind eine Privatsphären-Firma, die ein Telefon entwickelt.“

Und dieser Ansatz zieht sich durch alle Funktionen: Der Nutzer kann mit dem Blackphone verschlüsselt telefonieren und Nachrichten versenden, dazu verfügt es über eine umfangreiche Berechtigungssteuerung für Apps. Dies alles wird aus einer Hand angeboten, allerdings zu einem Preis von 629 US-Dollar.

Lohnt sich die Investition?

Für das Geld bekommt man ein ordentlich ausgestattetes Smartphone, das sich im Vergleich nicht verstecken muss. Aber lohnt der Preis für das Plus an Privatsphäre?

ZEIT-ONLINE hat sich diese Frage auch gestellt und die Alternativen beleuchtet:

„Alternativ zu den kostenpflichtigen Silent-Circle-Diensten gibt es schließlich die Gratis-Android-App Redphone zum verschlüsselten Telefonieren, es gibt haufenweise Messaging-Apps mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, und einen VPN-Zugang kann man sich in jedem neueren Smartphone selbst einrichten.

Die Apps OrWeb und OrBot ermöglichen auf Android-Smartphones das Surfen über das Anonymisierungsnetzwerk Tor, für iOS gibt es den Onion Browser. Für die Dateiverschlüsselung gibt zum Beispiel BoxCryptor als App für iOS und Android.

Wer dann noch die Standortdaten deaktiviert und eine privatsphärenfreundliche Suchmaschinen-App von Startpage oder von DuckDuckGo installiert, hat bereits ein vergleichsweise sicheres Smartphone in der Hand.“

Einen wirklichen Mehrwert bietet hingegen die Rechtesteuerung für das Betriebssytem und zusätzliche Apps aus dem App-Store. Für jede App lässt sich detailliert festlegen, welche einzelnen Rechte und Funktionen an die App vergeben werden sollen. So lässt sich beispielsweise der Zugriff auf das Adressbuch oder auf die WLAN-Funktion effektiv beschränken.

Fazit

Viel Geld für ein technisch gutes, aber wohl nicht herausragendes Handy. Der hohe Preis muss also alleine über die Datenschutzfunktionen gerechtfertigt sein. An dieser Stelle erhält der Käufer dann auch ein Rundum-sorglos-Paket, hier bleiben keine Wünsche offen.

Das Blackphone ist damit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Datenschutz im Bereich mobiler Endgeräte. Mit steigendem Interesse am Thema Datenschutz wird sicherlich in Zukunft der Absatz steigen und der Preis sinken.

Also: „Daumen hoch!“ für dieses Produkt!

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4 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Ein paar Anmerkungen:

    “Aber lohnt der Preis für das Plus an Privatsphäre?”

    Lohnt sich denn der hohe Preis für “normale” Smartphones oder gar für ein iPhone? Lohnt es sich, einige hundert Euro für eine Überwachungswanze auszugeben? Warum zahlen wir unsere eigene Überwachung, erst mit Steuergeldern und dann mit iPhone-Käufen?

    “Einen wirklichen Mehrwert bietet hingegen die Rechtesteuerung für zusätzliche Apps”

    Auf dem Blackphone läuft das sog. PrivatOS, ein modifiziertes Android. Dank PrivatOS lassen sich die zahlreichen Schnüffel-Funktionen von Google Android vermeiden.

    “Alternativ zu den kostenpflichtigen Silent-Circle-Diensten gibt es schließlich die Gratis-Android-App (…) hat bereits ein vergleichsweise sicheres Smartphone in der Hand.“

    Die Kasperle von ZEIT ONLINE sind wirklich lächerlich. Die dort beschriebenen Apps und Einstellungsmöglichkeiten mögen Sicherheit und Privatsphäre auf einem gewöhnlichen Android-Smartphone tatsächlich verbessern. Für iOS sind aber schonmal nicht alle der beschriebenen Apps verfügbar. Außerdem nützen all die Privacy-Apps nicht viel, wenn das zugrundeliegende Android weiter herumschnüffelt.

    Die Macher des Blackphones – Geeksphone und Silent Circle – müssen Geld verdienen. Die kostenlosen OpenSource-Apps können nur überleben, weil viele Enthusiasten ihre Freizeit opfern und viele Unterstützer Spendengelder locker machen. Die Gratis-Apps sind also nicht kostenlos im Sinne von “Freibier”. Nur wenn genug Leute Zeit und Geld spenden, kann OpenSource überleben. Im Übrigen sind viele der erwähnten Privacy-Apps nicht gratis, sondern gegen kleines Geld zu erwerben. Das Blackphone hat im Kaufpreis enthalten Inklusiv-Abos für die vorinstallierten Apps an Bord. Man erhält somit einen Mehrwert zum eigentlichen Telefon dazu.

    Das Blackphone ist auch deshalb ein Meilenstein, weil es Privacy by Design und Privacy by Default bietet. Der Durchschnittsnutzer wird eben nicht damit behelligt, erst die kleinteiligen Ratschläge von ZEIT ONLINE abzuarbeiten. Out of the box bietet das Blackphone bereits sehr viel. Wer noch mehr will (z.B. echtes anonymisiertes Webbrowsing via Tor), kann die entsprechende App auch auf dem Blackphone hinzuinstallieren.

    Übrigens richtet sich das Blackphone nicht nur an Privatpersonen, sondern auch an Firmen, Organisationen und Regierungsbehörden.
    Ein Unternehmen möchte nicht erst (wie von ZEIT ONLINE erklärt) zig Schritte absolvieren, um ein Smartphone (z.B. gegen Wirtschaftsspionage) abzusichern. Genauso wie Privatleute, wollen Unternehmen out of the box eine hohe Usability.
    Regierungsbehörden wiederum erwarten ein Sicherheitsniveau, das es Angreifern schwer macht. Das ist ein kluger Schachzug der Blackphone-Macher. Genau wie schon lange bei den Silent Circle-Apps gehören Regierungsbehörden zur Zielgruppe des Blackphones. Dadurch sinkt der Anreiz für Regierungsbehörden, Schwachstellen und Hintertüren in das Blackphone einbauen zu lassen. Welche Regierung (außer der deutschen) lässt sich schon gerne abhören?

  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Sie haben vollkommen Recht, das Blackphone ist ein großer Schritt in Richtung Datenschutz und Komfort. Es ist wirklich zu hoffen, dass sich genug Käufer finden, um auch weiterhin die Entwicklung zu unterstützen und die kritische Masse zu erreichen.

    An genau diesem Punkt ist aber auch die Preispolitik ein entscheidender Faktor. Potentiellen Käufern wie Ihnen und mir, die sich intensiv mit Datenschutz befassen, erscheint der Preis wahrscheinlich nicht zu hoch. Wenn man aber die Diskussion um Threema und ähnliche Produkte verfolgt, scheitert ein Plus an Datenschutz oft schon an dem Willen, den kleinen Betrag von 1,69 Euro auszugeben.

    Sinnvoll ist das Backphone auf jeden Fall wegen der Rechtesteuerung für Apps und OS, da besteht gar kein Zweifel. Aber ohne die kritische Masse zu erreichen, sind auch Produkte wie das Blackphone nur eingeschränkt sinnvoll, da jede Kommunikation über das Surfen hinaus eben auch einen Gegenpart benötigt, der die Verschlüsselung ebenfalls unterstützt.

    Ich sehe in dem Blackphone einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Datenschutz im Mobilbereich. Hoffen wir also, dass es ein Erfolg wird.

  3. @ Dr. Datenschutz:

    Danke für Ihre Antwort.
    Zum Thema Preispolitik möchte ich noch einmal kurz betonen:

    Sehr viele Menschen sind bereit, für ein Statussymbol wie das iPhone sehr viel Geld zu bezahlen. Das iPhone kostet mehr als das Blackphone. Neben Privatpersonen sollten wir die Unternehmens- und Behördenkunden nicht außer Acht lassen. Dort spielt der Preis zwar auch eine wichtige Rolle, aber dort stehen für Investitionen meist ganz andere Größenordnungen an Finanzmitteln zur Verfügung als bei Privatpersonen.

    Wenn manche Leute nicht bereit sind, einmalig 1,69 Euro für eine Software wie Threema auszugeben, dann ist das einerseits bezeichnend für die verbreitete Kostenlosmentalität und das mangelnde Gespür für den Wert der eigenen Privatsphäre. Andererseits lässt sich in der Face-to-Face-Überzeugungsarbeit solch ein geringer Aufpreis für eine sichere Software auch als gutes Argument nutzen. Jeder zahlt doch auch ein paar Euro für Zahnpasta, um Gesundheitsvorsorge zu betreiben. Also warum nicht ein paar Euro bezahlen, um Datenhygiene zu betreiben?

  4. Ich kann Ihnen da nur voll und ganz zustimmen.

    Die Frage, für welche Produkte die Menschen ihr Geld ausgeben, lässt sich nicht immer rational begreifen. Das betrifft zum einen technische Güter wie das iPhone oder das schnelle Auto, zum anderen beispielsweise Fleisch aus Massentierhaltung oder eben WhatsApp statt Threema.

    Vielfach siegen Status und Bequemlichkeit über Sinn und Verstand. Hier kann man nur versuchen, in seinem persönlichen Umfeld einzuwirken und eine Änderung in den Köpfen herbeizuführen.

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