Die Vermessung des Athleten – Datenschutz im (Spitzen-)Sport

Fachbeitrag

Wenn es um Daten, deren Analyse und IT im Allgemeinen geht, haben viele Menschen erstmal den typischen Klischee-ITler vor Augen. Jemand dessen Kleidung sich durch übergroße Shirts bedruckt mit eher semi-lustigen Sprüchen auszeichnet und bei dessen Ernährung Pizza eines der Grundnahrungsmittel darstellt. Ganz abgesehen davon, dass dieses Klischee wohl in Teilen überholt ist, gewinnen Daten insbesondere im Sportbereich immer mehr an Bedeutung. Vom ambitionierten Hobbysportler bis hoch zum Weltklasse-Athleten – für das Optimum wird getrackt und analysiert als gäb’s kein Morgen. Und wie schaut’s da mit der Privatsphäre aus?

Vom kleinen Hobbysportler bis zur Weltelite

Wenn ich mir Freunde, Bekannte und Kollegen (und ja – auch mich) so anschaue, sieht man schon allerhand Fitness-Gadgets im Einsatz: Das beginnt bei einfachen Fitnesstrackern, geht weiter über komplexere GPS- und Pulsuhren bis hin zu Sensoren, die etwa beim Laufen feststellen, wie lang die Bodenkontaktzeit ist und ob es Unterschiede bei der Belastung des linken und des rechten Beines gibt. Das alles sind Gadgets, die (teilweise) auch schon für kleines Geld erhältlich sind und die mit den dazugehörigen Apps jedem die Möglichkeit geben, das eigene sportliche Verhalten zu analysieren und zu optimieren.

Pi mal Daumen war gestern

Wer erinnert sich nicht an die WM 2006, an den kleinen Zettel auf dem stand:

„Riquelme links hoch – Messi links – Crespo langer Anlauf/rechts“

Mit Hilfe des Zettels gewann die Deutsche Fußball Nationalmannschaft das Elfmeterduell gegen Argentinien und zog somit ins Halbfinale ein. Die Angaben basierten dabei auf der Videoanalyse der argentinischen Elfmeterschützen. Welche enorme Bedeutung in den vergangenen Jahren der technisch-analytische Aspekt insbesondere im Bereich des Spitzensports gewonnen hat, zeigt sich beispielsweise daran, dass die Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) seit kurzem auch einen Masterstudiengang „Spielanalyse“ anbietet – und damit ein Vorreiter in Europa ist. Es ist mittlerweile ein wahrer Hype um Leistungsanalysen entstanden.

Big Data und Smart Data wohin das Auge reicht

Beschleunigungsmesser, Gyroskope und Magnetometer, ja sogar Drohnen werden eingesetzt, um die bestmögliche Auswertung der Sportler zu erhalten. Laufleistung, Herzfrequenz, Sprintgeschwindigkeit, Laktatwerte – die diversen Variablen können miteinander in Verbindung gesetzt werden. Live-Analyse, Positionsdaten, Einzelspieleranalyse oder Talent-Identifikation sind daher in vielen Vereinen mittlerweile ein gängiger Bestandteil des Strebens nach höher, schneller, weiter.

The more the merrier?

Der Nutzen des Ganzen ist tatsächlich umstritten. Auf der einen Seite wird argumentiert, dass die Daten einen objektiven Blick auf den Sportler und dessen Leistung ermöglichen. Auf der anderen Seite fehlt es an dieser Stelle aber oftmals an ausgebildeten Analysten, um die richtigen Schlüsse aus der Datenflut zu ziehen. Daher sind die Daten letzten Endes vermutlich nur so gut, wie derjenige, der mit ihnen arbeitet. Sie können sicherlich eine Entscheidungshilfe für einen Trainer sein, aber sie sind sicherlich keine 100%igen Erfolgsgaranten.

Der gläserne Athlet

Neben dem Nutzen, der aus den Daten gezogen werden kann, gibt es auch Schattenseiten der Analyse. Der Athlet wird nämlich nicht nur während eines Trainings oder eines Wettkampfes mit Sensoren ausgestattet, sondern ist oftmals auch abseits des Sportplatzes dazu gehalten, Wearables zu tragen. Denn im Spitzensport bedingt in der Regel auch ein diszipliniertes Privatleben den Erfolg. Maßgebliche Faktoren sind also Ernährungsgewohnheiten, Schlaf, Verzicht auf Alkohol und Tabak, die sich auch anhand von Daten nachweisen lassen. Wo hört also der Athlet auf und wo beginnt der Privatmensch? Je detaillierter Daten über einen Sportler erhoben werden, desto eher besteht auch die Gefahr, dass diese Daten negativ gegen ihn verwendet werden können. Die Black Box des menschlichen Körpers kann mit Hilfe von biometrischen Daten geöffnet werden: Verletzungen können nicht mehr verschwiegen und Leistungsdefizite können aufgedeckt werden. Und wer möchte denn Sportler, die ins Negative abweichen, noch in seinem Team haben? Da es im Spitzensport oftmals auch um aberwitzige Geldsummen geht, ist definitiv damit zu rechnen, dass Leistungsdaten an Relevanz gewinnen werden

Der Hobbysportler

Die vorangegangenen Überlegungen treffen natürlich nur einen geringen Teil der Bevölkerung. Der Hobbysportler sollte trotzdem wachsam sein: Privat sollte vor allem darauf geachtet werden, was mit den eigenen Daten passiert. Oft reicht mal ein Blick in die Datenschutzerklärung des App-Anbieters, um mehr darüber zu erfahren, wohin die Daten gehen und insbesondere, ob diese nicht auch mit Dritten geteilt werden. Es lassen sich individuell einige Einstellungen vornehmen, die die eigene Privatsphäre schützen. Weitere nützliche Tipps finden Sie hier.

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