Fotos von Kindern: Klassenfoto in der Schule nur mit Zustimmung der Eltern? (1/2)

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Fachbeitrag

Lehrer und Eltern fragen sich oft, was beim Fotografieren in der Schule aus rechtlicher Sicht beachtet werden muss. Dabei geht es häufig um das simple Klassenfoto, aber auch um Fotos bei Veranstaltungen und anderen Schulaktivitäten.

Neben den rechtlichen Fragen geht oft auch um die praktische Umsetzung. Wer muss gefragt, was dokumentiert werden? Sind Gruppenfotos anders zu behandeln als Partybilder oder Portraits?

Hier Teil 1 der Antworten auf die wichtigsten rechtlichen Fragen:

Welche Vorschriften sind beim Anfertigen von Fotos zu beachten?

Das „Recht am eigenen Bild“ ist eine Ausprägung des Persönlichkeitsrechts, welches grundgesetzlich geschützt ist. Die Erstellung eines digitalen Fotos, auf dem man eine Person erkennen kann, ist rechtlich als Erhebung eines personenbezogenen Datums einzustufen. Damit fällt ein solches Fotografieren, sofern es nicht im engen privaten Umfeld erfolgt, unter das sog. Verbot mit Erlaubnisvorbehalt des Bundesdatenschutzgesetzes (§ 4 Abs. 1 BDSG).

Brauche ich für jedes Foto eine Erlaubnis des Abgebildeten?

Entscheidende Folge: Das Foto darf in der Regel nur mit Zustimmung des Abgelichteten gemacht werden. Ausnahmen kommen zum Beispiel bei Firmen in Betracht, die Fotos für Mitarbeiterausweise erstellen. Bei Fotos von Kindern in der Schule gilt jedoch: Kein Foto ohne Zustimmung. Rechtlichen Schutz bei Verstößen bieten zudem die zivilrechtlichen Ansprüche aus §§ 823 und 1004 BGB.

Was verlangt das Urheberrecht?

Unabhängig von den Rechten des Abgebildeten sind die Rechte des Fotografen zu beachten. Die urheberrechtlichen Nutzungsrechte an einem Foto liegen zunächst beim Fotografen. Wird in der Schule ein professioneller Fotograf beauftragt, sollte also darauf geachtet werden, dass man sich von ihm zumindest die Nutzungsrechte übertragen lässt, die man beanspruchen möchte (z.B. Abdruck im Jahrbuch oder Veröffentlichung auf der Website).

Was gilt für die anschließende Veröffentlichung von Fotos?

Das „Verbreiten“ und „öffentlich zur Schau stellen“ von Bildnissen einer Person ist speziell im Kunsturheberrechtsgesetz (KUG) geregelt. Auch hier gilt der Grundsatz: Veröffentlichung nur mit Zustimmung des Abgebildeten (§ 22 KUG). Für Fotos von Kindern, Lehrern oder anderen Personen in der Schule bedeutet das grundsätzlich: Die Veröffentlichung des Bildes in Jahrbüchern oder im Internet ist nur mit Zustimmung der Personen erlaubt, die auf dem Bild zu erkennen sind.

Benötige ich die Zustimmung auch bei Gruppenfotos?

Es ist ein weit verbreitetes Gerücht, dass man bei Gruppenfotos keine Zustimmung der abgebildeten Personen bräuchte. Manchmal heisst es, die Personengrenze hierfür sei 7. Hierfür findet sich jedoch keine Grundlage in Gesetz und Rechtsprechung.

Die einzig relevante Ausnahme vom Zustimmungserfordernis ergibt sich aus § 23 Abs. 1 Nr. 2 KUG. Danach muss für eine Veröffentlichung keine Zustimmung von Personen eingeholt werden, die „nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen“. Beispiel hierfür wäre das Foto eines Schulgebäudes, auf dem am Rande Schüler zu erkennen sind. Sobald aber eine Schulklasse oder alle Schüler auf dem Schulhof das Hauptmotiv darstellen, kommt man nicht um das Zustimmungserfordernis herum.

Was ist bei der Einwilligung zu beachten?

Wie genau die Einwilligung eingeholt werden muss (Schriftlich? Wer muss einwilligen: Schüler oder Eltern?), erfahren Sie im zweiten Teil des Artikels.

Sie haben Fragen?

Unsere Berater helfen Ihnen dabei, den Umgang mit personenbezogenen Daten in Ihrem Unternehmen rechtssicher und praxisgerecht zu gestalten. Dabei unterstützen wir Sie u.a. bei folgenden Themen:

  • Veröffentlichung von Mitarbeiterfotos auf der eigenen Website oder Facebook
  • Firmeninterne Verwendung von Bildern, z.B. im Intranet
  • Erstellung von Einwilligungserklärungen oder Vereinbarungen zur Übertragung von Nutzungsrechten

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18 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Das ist ja alles schön und gut. Danke für die Darstellung der Rechtslage.

    ABER: Wie sieht die Realität aus? Heutzutage herrscht Totalüberwachung. Es ist gesellschaftlich normal und akzeptiert, dass Persönlichkeitsrechte, Datenschutz, Privatsphäre und Selbstbestimmung nichts mehr zählen.

    Die Mehrheit der Menschen ist einer neuen Ideologie des Datensozialismus und Datenexhibitionismus anheim gefallen, wo sich die Rechte des Einzelnen auf den freien Konsum beschränken. Andere Rechte des Einzelnen sind dem „Allgemeinwohl“ oder dem Willen der Masse unterzuordnen. Daten sollen frei sein. Jeder darf über diese Daten frei verfügen. Nur die Betroffenen dürfen nicht über ihre Daten selbst bestimmen.

    @ Dr. Datenschutz: Was sollen Schüler und Eltern gegen den zu erwartenden sozialen Gruppendruck von allen Seiten tun? Was soll man als Familie tun, wenn Mitschüler und deren Eltern, die Lehrer und die Schulverwaltung geschlossen gegen „Querulanten“ und „Sonderlinge“ vorgehen? Es ist doch unrealistisch, dass irgendjemand aus der Minderheit der Datenschutzfreunde längere Zeit die Unterdrückung und Diskrimnierung seitens der Mehrheit durchstehen kann.

    • Wie eben im zweiten Teil geschrieben:

      Nur weil etwas aufwändig ist oder weil Anforderungen vielleicht nicht zu 100% erfüllt werden können, gibt es keinen Freibrief dafür, sämtliche Fotos rücksichtslos zu veröffentlichen.
      Wer als Eltern z.B. sagt, ich möchte nicht, dass Fotos meiner Kinder auf der Schul-Website landen, sollte durchaus Gehör finden.

  2. Kann ich 20 Kinder von hinten beim Tanzen fotografieren und ohne deren Zustimmung veröffentlichen, wenn im Vordergrund ein Musikensemble von vorne zusehen ist (also eher die Blicke auf sich zieht? Danke für eine Antwort, bin ratlos,…

  3. Fotos für die Presse:

    Nach Ihren Ausführungen darf ich dann keine Presseartikel mehr verfassen und mit Bild an die Presse weiterleiten, für Verkehrssicherheits-Veranstaltungen, die wir als gemeinnütziger Verein an Schulen und Kindergärten veranstalten (ohne vorher jeden Elternteil um Erlaubnis zu fragen, was schlichtweg unpraktikabel wäre)? Wir achten schon darauf, dass bei Fotos für die Presse nur Gruppen zu sehen sind, die Schüler meist so von hinten, damit keine Gesichter zu sehen sind und kein Einzelner hervorsticht.

    Wenn andererseits die Presse zu diesen Veranstaltungen eingeladen wird und Fotos macht, gelten dann andere Voraussetzungen? Denn das scheint ja ok zu sein, sonst würden wir keine Fotos in den Zeitungen mehr finden…

    Eine kompetente Antwort würde uns hier sehr helfen.

    • Guter Hinweis: Presseorgane sind gem. § 41 Abs. 1 BDSG von den allgemeinen datenschutzrechtlichen Pflichten des BDSG befreit, solange sie Daten zu eigenen journalistisch-redaktionellen Zwecken verarbeitet. Sprich: Presseartikel sind von den hier beschriebenen Anforderungen ausgenommen. Weitere Details sind im Landesrecht (Presserecht) geregelt und von Bundesland zu Bundesland verschieden.

  4. Wie ist die Situation, wenn man die Bildermappe des Schulfotografen nicht abkauft. Was passiert dann mit den ausgedruckten Bildern und den digitalen Negativen. Wer kann dann was damit machen?

    • Der Fotograf bräuchte die Zustimmung der abgebildeten Personen, um die Fotos anderweitig verwenden zu können. Weil er die kaum bekommen dürfte, kann er die Bilder eigentlich nur noch vernichten, sofern sie endgültig nicht abgenommen werden.

  5. Hallo,
    ich hätte auch noch eine Frage zum Thema Veröffentlichung von Fotos. Es wurden Schüler bei einem Projekt fotografiert. Für diese Fotos und der Veröffentlichung haben die Schüler bzw. die Eltern die Einverständniserklärungen unterschrieben. Also kein Problem.
    Aber wie ist es mit der Weitergabe der Fotos an die Eltern. Viele Eltern wollen die Fotos des Projekts, wo natürlich Ihre Kinder abgebildet sind, auch zuhause haben. Braucht man hier eine extra Einwilligungserklärung für die Weitergabe von Fotos an andere Eltern???
    Danke für Eure schnellen Antworten.

    • Hallo Martin, gem. § 22 KunstUrG dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Durch die Weitergabe der Fotos an die Eltern verbreiten Sie die Fotos. Daher muss eine Einwilligung der Eltern für ihre minderjährigen Kinder vorliegen. In Ihrem Fall liegt eine ausdrückliche Einwilligung nicht vor. Allerdings kann eine Einwilligung gemäß § 22 Satz 1 KunstUrG grundsätzlich auch stillschweigend erteilt werden. Das kommt immer auf die konkreten Umstände an. Wenn schon Einwilligungen für die Veröffentlichung vorliegen, könnte man überlegen, ob die Verbreitung innerhalb des Elternkreises stillschweigend hiervon mit erfasst werden.

  6. Hallo,
    wie sieht es mit alten Klassenfotos aus (Bild von 1975)? Auf einigen Internetplattformen können diese alten Klassenfotos hochgeladen werden. Es erscheint nahezu unmöglich von abgebildeten Personen das Einverständnis zur Veröffentlichung einzuholen.
    mfG
    Dirk

  7. Hallo ich bin bald eine Grundschullehrerin. Ich hasse Fotos von mir und möchte auch nicht darauf erscheinen. Alle Klassen haben Klassenfotos mit ihrer Klassenlehrerin abgebildet. Ist es okay wenn nur die Klasse ohne mich (als zukünftige Klassenlehrerin) abgelichtet wird?

    • Wie im Beitrag erläutert, ist die Anfertigung eines Fotos prinzipiell nur mit Erlaubnis des Abgebildeten zulässig. Dass für Lehrer im Rahmen von Klassenfotos eine besondere Ausnahme zu machen ist, ist nicht ersichtlich. Deshalb können Sie das Foto ebensogut verweigern.

  8. Hallo,
    meine Tochter wurde in der Schule fotografiert – sowie die anderen Schüler auch. Es wurden Einzelbilder angefertigt und im Flur am Eingang im Klassenzimmer aufgestellt. Meine Tochter kann das Bild nicht leiden. Kann sie verlangen dass das Foto entfernt wird?

  9. Hallo, wie sieht die Situation aus, wenn Eltern Fotos von Klassenfesten etc. über eine geschützte Seite (passwortgeschützt oder per geheimer URL wie bei Dropbox) austauschen? Also einige Eltern laden die Fotos hoch und verteilen die Zugangadaten innerhalb der Klasse. Ist das dann schon eine Veröffentlichung, also Zustimmungspflichtig?

    • Die Verteilung innerhalb der geschlossenen Gruppe ist keine Veröffentlichung im Sinne des KUG. Trotzdem bräuchte man schon für die Aufnahme der Fotos und den Upload bei einem Drittanbieter die Zustimmung der Erziehungsberechtigen.

  10. Meine Lehrerin wollte von mir ein Bild für den Klassenspiegel (Sitzordnung im Klassenzimmer) machen wollen. Ich habe das verweigert. Der Schulleiter bat mich um das Bild. Begründung: Nur für den internen Gebrauch, damit die Lehrer sich die Namen besser einprägen können. Ist das zulässig?

    • Das hängt in erster Linie davon ab, ob Sie (oder je nach Ihrem Alter Ihre Eltern) damit einverstanden sind. Von einer Verbreitung oder Veröffentlichung im Sinne des Kunsturhebergesetzes wird man hier zwar nicht sprechen können, allerdings müssen Sie auch nach den einschlägigen Datenschutzgesetzen (Bundesdatenschutzgesetz oder falls Sie eine öffentliche Schule besuchen das Landesdatenschutzgesetz Ihres Bundeslandes ) grundsätzlich Ihre Einwilligung erteilen.

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