Influencer & Co. – Manipulation im Internet?

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Kaum ein Begriff hat die Öffentlichkeit in den letzten Jahren so sehr geprägt wie der des „Influencers“. Influencer sind inzwischen wichtige Meinungsführer für Unternehmen aus allen Branchen geworden, da sie deren Produkte über digitale Plattformen direkt präsentieren können. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Gefahren von Einflussnahme und Meinungsbildung durch Influencer über digitale Plattformen sind größer als je zuvor.

Instagram, Facebook – und was noch?

Wer das Wort Influencer hört, denkt fast immer an die bekannten Marketing-Plattformen unserer Zeit. Instagram, YouTube und Co. lassen grüßen. Das ist auch nachvollziehbar, schließlich hat Instagram, welches übrigens zum Datenkraken von Mark Zuckerberg gehört, bereits im Juni 2018 die 1-Milliarde-Marke bei den Nutzerzahlen geknackt. Gefühlt ist jeder Star (und wer sich für einen hält) auf diesen Plattformen zu finden, wo man sein scheinbar perfektes Leben mit seinen Followern teilen kann.

Als Influencer sind im Allgemeinen Personen zu verstehen, welche durch eine hohe Social-Media-Präsenz ein ausgeprägtes Netzwerk und Follower aufgebaut haben. Dadurch haben Influencer eine hohe Reichweite. Sie genießen ein hohes Ansehen bei ihren Followern und haben dadurch die Möglichkeit, die Meinung der Empfänger zu einem Thema zu beeinflussen. Influencer nehmen dabei allerdings nicht nur eine gewichtige Rolle im Online-Marketing ein, sondern können auch gezielt zur Meinungsmache in anderen Bereichen eingesetzt werden.

Safer Internet Day

Influencer richten sich dabei mit ihren (Werbe-)Botschaften zumeist an diejenigen, welche erfahrungsgemäß die größte Affinität zur digitalen Welt aufweisen, nämlich an Kinder und Jugendliche. Der diesjährige „Safer Internet Day“ stand unter dem Motto „Idole im Netz. Influencer & Meinungsmacht.“ Der Safer Internet Day wurde von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und findet seit 2004 jedes Jahr im Februar statt.

Dieser Aktionstag verfolgt insbesondere das Ziel, Heranwachsende als größte Zielgruppe für Online-Technologie zu schützen. In Deutschland wird der Safer Internet Day vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien in Zusammenarbeit mit den einzelnen Landesdatenschutzbehörden organisiert.

Beeinflussung und Meinungsmacht

Mit dem Motto in diesem Jahr hat der Safer Internet Day sicherlich den Zeitgeist getroffen. Der Begriff des Influencers polarisiert schon seit Jahren. Die Bandbreite reicht dabei von großer Bewunderung bis hin zu völliger Ablehnung dieses „Berufes“.

Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit von Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Dieter Kugelmann, hat dazu eine klare Meinung geäußert:

„Für die politische Meinungsbildung ist es wichtig, die Zusammenhänge einer manipulativen Datenverarbeitung zu erkennen. Spätestens seit dem Cambridge-Analytica-Skandal ist klargeworden, dass Daten nicht nur für eine zielgenaue Werbung verwendet werden; persönliche Daten werden auch zur politischen Manipulation der Nutzer*innen auch über sog. Influencer verwendet. Mit diesen Mechanismen müssen insbesondere junge Wähler*innen vertraut gemacht werden.“

Prof. Dr. Kugelmann spielt hier auf den Skandal an, in welchem das britische Datenanalyseunternehmen unrechtmäßig Daten für Donald Trump in dessen Wahlkampf 2016 ausgewertet haben soll. Eine nicht unerhebliche Rolle sollen hier diverse Influencer gespielt haben, welche durch gezielte Anzeigen die Anhänger Trumps Wähler mobilisiert und potenzielle Wähler von Hillary Clinton abgeschreckt haben.

Zusammenhänge begreifen – manipulative Datenverarbeitung?

Der Aktionstag hat wie gesagt das Ziel, Kindern und Jugendlichen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Datenverarbeitungen und Informationsaustausch einerseits und einer möglichen Manipulation aufzuzeigen. Dies ist sicherlich begrüßenswert. Je mehr über eine einzelne Person bekannt ist, desto einfacher ist es, ihn zu manipulieren und ihn in eine bestimmte Richtung zu locken. Tracking und jegliche Art von Profiling machen es möglich.

Das kann die Einflussnahme auf Wahlergebnisse sein, aber auch die Bildung einer politischen Meinung, bis hin zum Rechtsextremismus. Das galt immer schon im realen Leben und gilt ebenso auch in der virtuellen Welt des Internets. Dort ist eine bewusste Einflussnahme im Regelfall sogar noch leichter, weil der einzelne „Täter“ auf Grund einer immer noch starken Anonymität deutlich schwerer zu identifizieren ist.

Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Hasskriminalität. Dabei geht es um politisch motivierte Straftaten, bei denen das Opfer nach einer tatsächlichen oder scheinbaren Zugehörigkeit zu einer bestimmten Personengruppe ausgewählt wird. Auch hier kann jeder Einzelne durch bewusste Meinungsmache gesteuert werden, indem man beispielsweise über eine bestimmte Gruppe Unwahrheiten oder Verleumdungen verbreitet. Um dies einzudämmen, hat das Bundesjustizministerium kürzlich einen Gesetzesentwurf veröffentlicht. Dass dieser Entwurf in seinen Forderungen im Einzelnen zu weit geht, steht auf einem anderen Blatt. Er zeigt aber, dass der Gesetzgeber grundsätzlich die Notwendigkeit einer gewissen Regulierung erkannt hat.

Datenschutz kommt nie zu früh

Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist die Gefahr auf Grund der geringen Lebenserfahrung am größten, einer Manipulation gleich welcher Art und zu welchem Zweck ausgesetzt zu sein. Heranwachsende sind erfahrungsgemäß nicht in der Lage, komplexe Sachverhalte in ihrer kompletten Bedeutung zu erfassen. Aktuell erfreut sich die Plattform TikTok bei der Jugend großer Beliebtheit. Allerdings nimmt es dieses Videoportal mit dem Datenschutz nicht sehr genau. Es ist daher von enormer Wichtigkeit, Heranwachsende dafür zu sensibilisieren, dass das Internet und Social Media nicht nur eine Vielzahl von Möglichkeiten bieten, sondern gleichzeitig verantwortungsvoll zu nutzen sind.

Zwar hätten Studien ergeben, dass digitale Medien weniger negative Auswirkungen hätten als zunächst befürchtet. Allerdings wird dabei selbst in Frage gestellt, inwiefern die Studien tatsächlich verlässlich sind. Dies lässt sich sicherlich unter anderem auf die Schnelllebigkeit der digitalen Welt zurückführen. Darüber hinaus ist möglicherweise der Zeitraum, der bewertet worden ist, noch zu kurz, um wirklich aussagekräftige Ergebnisse erzielen zu können.

Dennoch können Aufklärung und Datenschutz nie zu früh anfangen. Das gilt selbstverständlich nicht nur für Heranwachsende, sondern für uns alle. Der Schutz unserer Privatsphäre und damit eine gesellschaftliche Verantwortung liegen in unseren Händen. Aus diesem Grund sind solche Aktionstage ein guter Anfang.

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