Kreditscoring: Schnüffel-Algorithmus aus Hamburg

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Das Aufatmen der Datenschützer war in der ganzen Republik zu vernehmen, als die Schufa sich von dem Projekt verabschiedete, Facebook-Daten bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit heranzuziehen. Doch ein Hamburger Start-up, das solche Daten im Ausland bereits erfolgreich auswertet, denkt offen darüber nach, auch in Deutschland seine Dienste anzubieten.

Schufa beugte sich dem öffentlichen Druck

Im vergangen Jahr gab die Schufa ein Forschungsprojektes namens “SCHUFALab@HPI” beim Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Auftrag, wie wir berichteten. Das HPI sollte untersuchen, ob Facebook-Profile, Zugänge zum Kurznachrichtendienst Twitter, Personensuchmaschinen wie Yasni, Geodatendienste wie Google Streetview oder Mitarbeiterverzeichnisse von Unternehmen nutzbar gemacht werden können, um Daten für das Scoring zu liefern.

Das Projekt sorge für ein gewaltiges Medienecho, gefolgt von einem Sturm der Entrüstung. Laut der Zeit verkündete die Schufa schließlich (ein wenig schmollend):

Das Forschungsprojekt hat eine Debatte über den Umgang mit frei verfügbaren Daten angestoßen, die die Schufa erst mit Vorlage der Forschungsergebnisse erwartet hätte.

Ein Hamburger Start-up ist schon viel weiter

Kreditech heißt das Unternehmen, das auf Basis solcher Werte längst die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung vorhersagt, wie die Zeit meldet. Bislang vergibt Kreditech Kleinkredite von durchschnittlich 120 Euro in Ländern, in denen es kein mit der Schufa vergleichbares System gibt, nämlich Spanien, Polen, Tschechien, Mexiko und Russland, 2014 sollen Argentinien und Peru hinzukommen.

Geplant ist, durch die Kreditvergabe Erfahrungen zu sammeln, um die Vorhersage genauer zu machen. Ab kommenden Jahr soll das Scoring als Dienstleistung Banken und Händlern angeboten werden.

Algorithmus beruht auf bis zu 8.000 Variablen

Aus Facebook-Verbindungen oder Konten von Amazon und eBay verlässliche Vorhersagen herauszudestillieren, klingt zunächst wie mathematisch verbrämtes Kaffeesatz-Lesen.

Doch der Zugriff auf die Daten von Käufern und Kreditnehmern ist viel umfassender, denn der Algorithmus von Kreditech kann angeblich bis zu 8.000 Parameter berücksichtigen. So soll zum Beispiel die Adresse des Schuldners über das Bewegungsprofil seines Smartphones verifiziert werden. Ob die Vorhersagen am Ende zutreffen oder nicht: Der Schuldner steht quasi nackt vorm Bankschalter.

Wie freiwillig ist die Einwilligung?

Der potenzielle Kreditnehmer muss natürlich einwilligen, bevor sein Facebook-Account und alle anderen Daten durchleuchtet werden. Aber vor einem Bankangestellten lässt doch nur die Hosen runter, wer unter normalen Bedingungen keinen Kredit erhält. Kann eine solche Einwilligung freiwillig sein?

Kreditech Mitbegründer Sebastian Diemer schließt laut Zeit jedenfalls nicht aus, dass in Zukunft auch deutsche Banken und Händler seinen Algorithmus auf Kreditanwärter und Kaufinteressenten loslassen.

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