Max-Planck-Studie: Und täglich grüßt das Datenschutz-Paradox

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Das Bewusstsein für die Verwendung von personenbezogenen Daten wächst in der Bevölkerung stetig an. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung unterstreicht diese These, denn 82 % der Deutschen sorgen sich um ihren Datenschutz. Dennoch reagieren die meisten Betroffen nicht oder inkonsequent auf diese Entwicklung im Rahmen ihres persönlichen Nutzungsverhaltens.

Neue Studie vom Max-Planck-Institut

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung befragte 2019 in Kooperation mit der Universität Bristol insgesamt 1065 Teilnehmer im Alter zwischen 18 bis 65 Jahren in einer repräsentativen Studie. Schwerpunkt war es zu ermitteln, ob die Teilnehmer ein Bewusstsein für die Verwendung von künstlicher Intelligenz und personalisierten Algorithmen haben, welche Einstellungen die Befragten gegenüber dem Einsatz solcher Techniken bestehen und inwiefern sie ihr Verhalten einschränken oder anpassen, um ihre persönlichen Daten zu schützen.

Aus vergangenen Studien wissen wir bereits, dass die Vorteile auch datenintensiver Anwendungen häufig die Risiken für die Nutzer aufwiegen. Insbesondere bei jungen Nutzern ist ein ausgeprägtes und differenziertes Verständnis für Datenschutzthemen vorzufinden, was sich aber nicht im Nutzerverhalten widerspiegelt.

Individualisierte Werbung ist ok, aber ohne persönliche Daten bitte

Die Widersprüchlichkeit verdeutlicht sich anschaulich, wenn man den Komplex der individualisierten Werbung genauer betrachtet. 77 % der Befragten finden maßgeschneiderte Werbung für Restaurants, Cafés, Veranstaltungen oder Geschäfte akzeptabel, auch wenn diese Empfehlungen auf Grund persönlicher Daten erfolgen. Die Studienteilnehmer wollten hierfür aber nicht, dass zur Umsetzung z.B. ihre Kaufhistorie, angeschauten Videos, ihre Standorte oder Informationen aus Online-Nachrichten verwendet werden.

Diese Informationen sind aber regelmäßig essentiell für die Erstellung maßgeschneiderte Werbungen mit der genannten hohen Akzeptanzrate sind. Wer nämlich eine Restaurantempfehlung beim Schlendern durch die Stadt bekommen möchte, muss seine Standortdaten vorher geteilt haben. Die beteiligten Wissenschaftler an der Studie mutmaßen, dass unter anderem ein intransparentes Design der Dienste es den Nutzern schwermacht, eine Verbindung zwischen der Nutzung der Dienstleistungen und der Nutzung der Daten herzustellen. Gegebenenfalls liegt das daran, dass zwar das generelle Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Datenverwendung und individualisierter Anwendungen steigt, aber technische Prozesse und Hintergründe unbekannt sind (lediglich 58 % der Teilnehmer kannten den Begriff Computer Algorithmus und nur 42 % den Begriff maschinelles Lernen).

Spätestens beim Thema Politik hört der Spaß auf

Interessant ist auch die Erkenntnis, dass zwar bei Freizeitaktivitäten wie Restaurants & Co. noch eine relativ ausgeprägte Akzeptanz für maßgeschneiderte Werbung besteht, der Spaß bei Werbung mit politischen Zielsetzungen jedoch aufhört. Unabhängig von der politischen Couleur lehnen im Schnitt 69 % der Befragten Personalisierungen zu politischen Zwecken ab. Diese ablehnende Haltung betrifft sowohl individualisierte Social Media Feeds, als auch angepasste Onlinezeitungen.

Die Forscher erklären diese Haltung mit einer klaren ethischen Trennung zwischen „allgemeinen“ Daten und sensitiven personenbezogenen Daten wie die politische Haltung. Außerdem gab Anastasia Kozyreva, hauptverantwortliche Forscherin am Max-Planck-Institut in dem Projekt, im Rahmen eines Zeit-Interviews an, sie vermute, dass es den Deutschen wichtig sei, für das Funktionieren einer Gesellschaft eine unabhängige politische Meinungsbildung zu ermöglichen.

Sticht Bequemlichkeit Datenschutz aus?

Leider klärt auch die Studie des Max-Planck-Institut nicht wirklich auf, warum die Nutzer trotz der hohen Bedeutung des Datenschutzes sich letztendlich inkonsequent verhalten. Immer wieder findet man die Argumentation vor, dass Datenschutz zu kompliziert oder zu teuer sei. Wenn aber lediglich 37 % der Befragten, denen Datenschutz wichtig war, generelle datenschutzstärkende Einstellungen in Apps oder Browsern vornehmen und nur 27 % Tools einsetzen, die den Datenschutz verbessern, werden nicht einmal grundsätzliche Maßnahmen ergriffen, die weder kompliziert noch kostenpflichtig sind.

Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass der Weg des geringsten Widerstandes gesucht wird oder die Bequemlichkeit überwiegt. Letztendlich bleibt für jeden die Frage: Warum schützen wir nicht, was uns wichtig ist?

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Ein Kommentar zu diesem Beitrag

  1. „Letztendlich bleibt für jeden die Frage: Warum schützen wir nicht, was uns wichtig ist?“
    Weil es kaum zu schafen ist!
    Ich bin mir dem Wert meiner Daten bewusst. Deshalb unterbinde ich im Betriebssystem so weit wie möglich die Datenweitergabe, nutze mehrere Browsertools zurDatenreduktion und lösche regelmäßig Cookies.
    Mal abgesehen davon, dass es einem Betriebssystem- und Softwarehersteller nicht einfach machen, die Datenweitergabe einzuschränken, weil jeder sein eigenes Konzeot verfolgt, ist es müßig wenn die Datenschutzeinstellungen der Websites in Cookies gespichert werden, die man ab und an löschen sollte bzw. muss.
    Es ist völlig intranspatent welche Cookies Einstellungen enthalten, die ich wollte und welche Daten enthalten, die ich löschen möchte.
    Und nach löschen dieser kleinen Biester geht die Anfragerei auf jeder Website wieder von vorne los.
    Das hat also wneiger mit Bequemlichkeit zu tun als mit Hilflosigkeit.
    Jeder Nutzer wird so zum Opfer der eingesetzen Technologien.
    Und dann erklären sich solche Untersuchungsergebnisse auch recht einfach. Selbst dann, wenn die Studienerfasser ihre eigenen Erfahungen nicht einbringen konnten.

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