Ohne Worte – Bilderkennungssoftware auf dem Vormarsch

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Textauswertung bei sozialen Netzwerken war gestern – heute werden Fotos gezielt nach Markenlogos gescannt. Die Blogging Plattform Tumblr kooperiert mit der Firma Ditto Labs, wie letztere nun auch auf ihrer Homepage bekannt gegeben hat. Eine höchst bedenkliche Entwicklung, die wohl nur das Herz von Marketern höher schlagen lässt.

Die Suche nach Profit

Tumblr bietet dem Nutzer die Möglichkeit einen eigenen Blog mit vor allem Bildern, Zitaten und Links zu Video- und Audiodateien zu veröffentlichen. Im Mai 2013 ist der Dienst für rund 1,1 Mrd. Dollar von Yahoo aufgekauft worden und nun wird nach Wegen gesucht, mehr Profit mit der Seite zu erzielen. Ein User hält sich pro Besuch durchschnittlich etwa 16 Minuten auf dem Portal auf – länger als in jedem anderen sozialen Netzwerk (ermittelt von Comscore). Bislang wird dort zwar Werbung geschaltet, mit dem dadurch erzielten Umsatz ist man hingegen nicht zufrieden. Und da kommt der Deal mit Ditto gerade recht.

Der Deal

Derzeit umfasst Tumblr etwa 200 Mio. Blogs, in denen täglich 130 Mio. Beiträge veröffentlicht werden. Durch die neue Kooperation werden künftig alle Nutzerfotos nach Markenlogos gescannt. Ditto wirbt damit, dass es im Gegensatz zu seinen Konkurrenten in der Lage ist, Fotos und nicht nur Texte auszuwerten. So kann in einem viel größeren Umfang festgestellt werden, wie Kampagnen von Unternehmen in den sozialen Medien aufgenommen werden oder welche anderen Vorlieben mit den Produkten verknüpft sind.

Das Unternehmen kann pro Foto rund 2500 Details erkennen und verwerten. Selbst kleinste Elemente im Hintergrund eines Fotos, also etwa auch die Logos auf T-Shirts von unbeteiligten Dritten werden von dem Unternehmen analysiert. Im Fall der bereits erfolgten Kooperation von Ditto mit Twitter und Instagram ist der dadurch entstandene Fotostream schon online abrufbar.

Das Problem liegt auf der Hand!

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: und wer erwähnt in seinem Foto immer alle Markenprodukte, die zu sehen sind? Der Becher Kaffee wird eher mit „Erst Kaffee, dann sprechen!” als mit „Morgens trinke ich immer meinen Kaffee von Starbucks.” beschrieben. Eine maschinelle Verbindung zwischen Marke und Emotion ist dabei eher schwierig herzustellen. Das datenschutzrechtliche Problem im vorliegenden Fall liegt aber auf der Hand:

Ditto scannt die Fotos nicht nur nach Markennamen, sondern auch die Gesichtsausdrücke, um Emotionen mit den Marken verbinden zu können. Angeblich soll eine Identifizierung der Nutzer dabei nicht erfolgen, aber man wird trotzdem recht leicht Fotos einzelnen Nutzern zuordnen können. Das Erstellen von Nutzerprofilen nach Vorlieben, Affinitäten und ähnlichem wird somit kinderleicht. So hat Ditto bereits rausgefunden, dass Metallica-Fans eher zu Bier und Whisky-Konsum neigen, Fans der Sängerin Beyonce Alkopops präferieren.

Die Kirsche auf dem Sahneeis: Bisher hat Tumblr die Nutzer nicht über den Deal mit Ditto und dessen Auswirkungen informiert. Und momentan ist auch nicht sicher, ob dieser Schritt erfolgen soll.

Wussten Sie schon…?

Im Fall von Tumblr dienen die Resultate nach Angaben der Verantwortlichen nicht gezielten Marketingzwecken. Es ist nicht gewollt, dass den Nutzern optimierte personalisierte Werbung angeboten wird, sondern den Unternehmen soll lediglich Aufschluss über ihr Image auf der Plattform gegeben werden.

Aber das vorgestellte Prinzip ist nicht neu. Andere soziale Netzwerke – allen voran natürlich Facebook und Google – haben ähnliche Bildauswertungsfirmen (Vicarious und DeepMind) angeheuert. Und mit den Nutzerdaten wird bei den genannten sozialen Datenkraken bekanntlich jede Menge Gewinn gemacht.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Ich möchte Ihnen ausnahmsweise einmal widersprechen:

    Persönlich sehe ich diese Art von automatisierter Datenauswertung unkritisch. Es handelt sich um weltweit von einem Milliardenpublikum einsehbare veröffentlichte Daten. Was Privatpersonen, Unternehmen oder Behörden rund um den Globus mit diesen öffentlichen Daten machen, ist nicht mehr beeinflussbar. Deshalb sollte einen Schritt vorher angesetzt werden: Daten sollten erst gar nicht veröffentlicht oder zumindest nachträglich wieder entfernt werden, um (potentielle) Schäden zu begrenzen.

    • Grundsätzlich sind die Fotos auf Tumblr einem großen Publikum zugänglich und in Zeiten von Screenshots und Copy + Paste verliert man nach dem Veröffentlichen schnell die Kontrolle über die eigenen Daten. Nach § 28 Abs. 1 Nr. 3 BDSG ist auch die Nutzung allgemein zugänglicher Daten zulässig, sofern der Betroffene kein entgegenstehende berechtigtes Interesse vorweisen kann. Allerdings ist es auch so, dass die Nutzer die Plattform dafür nutzen, um sich mit ihren Fotos anderen mitzuteilen. Wenn Tumblr nun Ditto einsetzt, müssten die Nutzer darüber informiert werden – erst so könnte bei ihnen ein abschreckender Effekt herbei geführt werden, der dann im nächsten Schritt dazu führt, dass weniger Daten veröffentlicht werden.

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