PayPal offline: Was sind die Vor- und Nachteile?

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Wie den Medien kürzlich zu entnehmen war, weitet die Ebay-Tochter PayPal ihre virtuellen Bezahl-Dienstleistungen in Deutschland nun auch auf den „offline-Handel“ aus. Dieser Artikel setzt sich kritisch mit der Nutzung von PayPal im „Wahren Leben“ auseinander.

Zahlen mit PayPal jetzt auch in Restaurants

Nach Auskunft von PayPal soll die mobile Bezahlmöglichkeit nach einer erfolgreichen Testphase in Berlin in einem weiteren Schritt nun auch im Bereich der Gastronomie in Hamburg, Köln, München und Frankfurt möglich sein und, so berichtet der Stern in seinem aktuellen Artikel „Online-Bezahldienst PayPal drängt in die Offline-Welt „, bis Ende 2015 in 2000 Restaurants in ganz Deutschland zum Einsatz kommen.

Tschüss Portemonnaie! Ihr Portemonnaie kann jetzt zu Hause bleiben. Bezahlen Sie doch einfach mit Ihrem Smartphone und PayPal.

Wie der Werbeslogan von PayPal bereits verdeutlicht, soll der Kunde, wenn es nach PayPal geht, bald alle Transaktionen über sein PayPal-Konto abwickeln. Das Zahlen mit Bargeld oder umständlich über EC-Karten und PIN wären dann unnötig.

Wie funktioniert „PayPal offline“?

Wie heise online hierzu berichtet, hat PayPal seine offizielle Smartphone-App um eine reale Bezahlmöglichkeit mit der Bezeichnung „Läden“ erweitert, und so eine Schnittstelle zu dem in vielen Restaurants genutzten Kassensystem „Orderbird“ geschaffen.

In Planung ist zudem die Erweiterung des Systems um sogenannte Beacon-Technologie: Hier können Kunden automatisch die Signale eines Bluetooth-Senders im Restaurants empfangen und sich mit ihrem PayPal-Konto „einchecken“, ohne das Handy aus der Tasche zu ziehen.

Bezahlen mit PayPal – so leicht wie noch nie!

Bezahlen mit PayPal wird dadurch so leicht, wie noch nie…

Bereits beim Betreten des jeweiligen Geschäftes soll sich das mit der PayPal-App ausgestattete Smartphone mit dem iPad-Kassensystem des Betreibers verbinden und den Gast quasi „einchecken“. Will der Kunde am Ende seines Besuches seine Rechnung begleichen, muss er nur noch bei der Bedienung angeben, dass er mit PayPal zahlen wolle, den Vorgang bestätigen und ruckzuck, ist der Bezahlvorgang abgeschlossen. Die Quittung gibt’s auf Wunsch ebenfalls digital.

Ein Identitätsabgleich erfolgt dabei durch Überprüfung eines vorher der App hinzugefügten Fotos des Nutzers. Eine Eingabe einer zusätzlichen PIN oder das Einlesen der EC-Karte ist dann nicht mehr erforderlich. Der Betrag wird sodann einfach vom PayPal-Konto des Gastes abgebucht.

Was ist der Nutzen?

Dass dieser Schritt der Ebay-Tochter durchaus Sinn macht, zeigt schon seine hohe Marktabdeckung. Mit seinen, nach eigenen Angaben derzeit 12 Mio. Nutzerkonten allein in Deutschland und mehr als 128 Mio. aktiven Kundenkonten weltweit ist PayPal der größte e-Payment-Anbieter der Welt.

Der Gedanken, nach dem wohligen Aufenthalt in einem Lokal oder auch beim entspannten Shopping-Bummel kein langes Aufhalten mit dem lästigen Bezahlen oder Anstehen an einer Kasse abwarten zu müssen, ist für viele PayPal-Nutzer durchaus charmant. Für den Unternehmer bietet PayPal die Möglichkeit, den Kunden wiederzuerkennen und z.B. als Stammkunden auszumachen.

2007 erhielt PayPal eine offizielle Banklizenz der Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) in Luxemburg, mit Gültigkeit für die gesamte Europäische Union. Hier zieht zwischenzeitlich, wie vergangenen Meldungen zu entnehmen ist, Facebook nach, die ebenfalls kürzlich eine Zulassung als Finanzdienstleister beantragt hatte.

Nebenwirkungen?

Was aber sind die Nebenwirkungen, die der Einsatz eines solchen Bezahlsystems mit sich bringen könnten. Hier tritt der Datenschützer in mir mit seiner kritischen Grundhaltung in Aktion.

Wer, wenn nicht PayPal ist hinlänglich dafür bekannt, dass sie den Rechte der Kunden nicht immer die notwendige Bedeutung beimessen, die diesen zukommen sollte. So wurde PayPal beispielweise im Jahr 2013 wegen unzulässiger und intransparenter Vertragsklauseln von der Verbraucherzentrale Bundesverband abgemahnt und gerichtlich auf Unterlassen in Anspruch genommen. Auch tendieren viele dem Marktverhalten stark unterworfene Unternehmen dazu, die für ihre Kunden verarbeiteten Daten auch für eigene (Marketing- und Produktentwicklungs) Zwecke zu nutzen.

Hier sind zwei wesentliche Punkte, die jeder Nutzer vorab bedenken sollte:

Aufgabe der Anonymität

Ein Manko der PayPal-App ist aus Sicht des Datenschützer sicherlich die Aufgabe der Anonymität des Kunden. Er ist für jeden Unternehmer sofort erkennbar und durch Zusammenführung von weiteren Informationen näher bestimmbar. Diese Überlegung führt sodann zu meinem zweiten Kritikpunkt:

Bildung von Nutzerprofilen

PayPal fördert über seine App und die durch sie erhaltenen Informationen die Profilbildung. Sobald ich ein, das PayPal-System einsetzendes, Unternehmen betrete, bin ich auch schon registriert. Die App registriert ferner zu welchem Betrag ich wann dort konsumiert habe. Diese Informationen können und werden mit Sicherheit nicht nur dazu verwendet werden, mich beim Bezahlen mit meinem Namen anzusprechen. Auswertungen des Nutzerverhaltens sind im Online-Bereich weit verbreitet und nicht immer datenschutzkonform.

Hier gilt insoweit zu beachten:

Die Möglichkeit schafft immer auch Begehrlichkeiten!

Fazit

Das schnelle Bezahlen per Mobile-App bringt möglicherweise Vorteile aber birgt durchaus auch Risiken für die Privatsphäre der Nutzer, mit welchen Sie sich bei Ihrer Entscheidung für oder gegen den Einsatz der PayPal-App im Vorfeld kritisch auseinandersetzen sollten.

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4 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. 1. PayPal fällt immer wieder damit auf, Kundenkonten auf Grund intransparenter Regeln zu sperren. Stellen Sie sich vor, Ihre Bank sperrt Ihnen einfach so Ihr Konto und Sie kommen nicht an Ihr Geld!

    2. PayPal verfolgt natürlich vor allem die eigenen Profitziele. Niemand sollte so naiv sein und glauben, PayPal würde in erster Linie im Sinne der Kunden handeln. Auch wird PayPal, wie jeder andere Zahlungsdienstleister auch, den Profit immer der Sicherheit vorziehen, da Sicherheit kostet.

    3. Im elektronischen Zahlungsverkehr – ob im E-Payment oder im Kartennetzbetrieb – sind unzählige Dienstleister beteiligt. Das heißt, nicht nur halten alle diese Dienstleister die Hand für Gebühren auf, sondern das Datensicherheitsrisiko ist deutlich erhöht. Mehr Intermediäre = höheres Missbrauchsrisiko.

    4. PayPal preist sein System offen als Datenstaubsauger an, um es Händlern schmackhaft zu machen. Neben den üblichen Datenschutzbedenken wie die Gefahr von Datenmissbrauch, Konsum- und Bewegungsprofilen oder Werbung, sollte jeder einmal in sich gehen und gründlich nachdenken.

    Wollen wir wirklich Nutzvieh sein?
    Wollen wir uns von scheinbar nachteilslosen Frohlockungen verführen lassen?
    Am Ende geht es also auch um Selbstachtung und Würde.
    Wollen wir uns als „glückliches“ Nutzvieh, umsorgt mit scheinbar kostenlosem Futter und Unterhaltung, für Profitinteressen ausschlachten lassen?

    Am Ende gewinnt immer die Bank.

  2. Aus meiner Sicht überwiegen die Nachteile eindeutig.
    Die Risiken für die Privatsphäre der Nutzer, sind deutlich oberhalb des möglichen Nutzens, der schnellen Bezahlung anzusiedeln.

  3. Just FYI: Der Virenscanner schlug heute an: Virus : Heuristics.Phishing.Email.SpoofedDomain

    Date: Thu, 17 Jul 2014 07:02:32 +0000
    To: my@email.com
    From: „Dr. Datenschutz“
    Reply-To: „Dr. Datenschutz“
    Subject: PayPal offline: Was sind die Vor- und Nachteile? – Datenschutzbeauftragter INFO
    Message-ID:
    X-Priority: 3
    X-Mailer: PHPMailer (phpmailer.sourceforge.net) [version 2.0.4]
    X-email_id: 20
    MIME-Version: 1.0

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