Private Fotos von Kindern: Was Eltern beachten sollten

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Fachbeitrag

Während sich im öffentlichen Bewusstsein mittlerweile eine gewisse Sensibilität für den Umgang mit Fotos von Arbeitnehmern, Schülern oder flüchtigen Bekanntschaften eingeschlichen hat, bleibt weitgehend unbeachtet, dass oft die Eltern selbst eine Gefahr für die Privatsphäre ihrer Kinder darstellen. Dieser Artikel soll dazu anregen, sich bereits vor der Veröffentlichung eines Fotos entsprechende Gedanken zu machen.

Foto aufnehmen

Werden im engen Familien- oder Freundeskreis Fotos gemacht, die ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt sind, kommt das BDSG nicht zur Anwendung. Eltern müssen also nicht befürchten, gegen das Gesetz zu verstoßen, wenn sie ihre Kleinkinder bei den ersten Gehversuchen fotografieren wollen. Es steht außer Frage, dass private Fotos eine wertvolle Erinnerung sind, deren Verhinderung keinesfalls intendiert ist.

Zu bedenken ist allerdings, dass mit der Einführung der allgegenwärtigen Digitalkameras und Handys mit integrierter Kamera die Masse an Fotos aus dem privaten Bereich unverhältnismäßig stark angestiegen ist. Es lohnt sich also zu überlegen, ob man wirklich von jeder erdenklichen Situation ein Foto machen muss, oder ob nicht die reine Beobachtung des Geschehens bisweilen auch ausreichen könnte.

Foto posten

Früher gab es Familienalben in schönen Einbänden, in die allerlei Fotos eingeklebt wurden. Nicht immer waren die Abgebildeten vorteilhaft getroffen, was einige Familienmitglieder aber nicht davon abhalten konnte, die Alben in mehr oder weniger kleiner Runde herumzuzeigen. Daraus konnten durchaus recht peinliche Situationen entstehen, obwohl schätzungsweise nur ca. 10 Personen ein Foto zu sehen bekamen und keine Möglichkeit zur unkontrollierten Verbreitung bestand. Verglichen mit den heutigen Kenntnisnahme- und Verbreitungsmöglichkeiten scheint die Anzahl an Personen jedoch lächerlich gering.

Nun könnte man argumentieren, dass man Fotos ja auch nur im privaten Bereich bei Facebook poste und nicht öffentlich für jedermann zugänglich mache. So könnten auch nur bestimmte Personen das Foto sehen.

Löschen, liken, Lizenzen

Allerdings muss man sich die Frage stellen, wie sehr die Privatsphäreeinstellungen bei Facebook den hochgeladenen Inhalt tatsächlich zu schützen geeignet sind. Was sagt die Datenrichtlinie von Facebook zu hochgeladenen Fotos? Überträgt man nicht alle Rechte an den US-Konzern? Wie verhält es sich mit Inhalten, die man selbst gepostet hat, die aber von anderen geteilt wurden?

Und was passiert, wenn ein Foto durch andere Nutzer geliked wird – erscheint dies dann nicht auf deren Seite, worauf wiederum Dritte zugreifen können? Zwar sind aufgrund der Masse der Informationen alle Mitteilung in den News Feeds schnell wieder von der Bildfläche verschwunden – bei gezielter Suche sind sie jedoch auch nach Jahren noch auffindbar.

Wer nun einwendet, dass er ein Foto ja auch schnell wieder löschen könne, wiegt sich in einer falschen Sicherheit. Denn zum einen ist unklar, ob und wann gelöschte Inhalte tatsächlich auch von den Facebook-Servern gelöscht werden. Zum anderen muss man immer damit rechnen, dass während der Zeit, in der das Bild online ist – auch wenn es nur wenige Minuten sind – jemand anders sich dieses Bild herunterladen und daraufhin unkontrollierbar verbreiten kann.

Langfristig denken erwünscht

Es liegt also auf der Hand, dass man sich Gedanken machen sollte – schon bevor man ein Foto aufnimmt, zumindest aber bevor man ein Foto postet. Da im familiären Umfeld rechtliche Aspekte meistens keine Rolle spielen, wurden sie hier weitestgehend außen vor gelassen. Das bedeutet nicht, dass man sich hier im rechtsfreien Raum bewegt; nur schadet es nicht, auch abseits von Gesetzen seine Handlungen in aller Konsequenz gedanklich zu prüfen.

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