schueler.cc – Datenschutz wie auf den Kokosinseln

insel 01
Fachbeitrag

Alle, denen Facebook, Wer-kennt-wen oder SchülerVZ noch zu harmlos und datenschutzkonform sind, sei ein Besuch bei www.schueler.cc wärmstens ans Herz gelegt. Falls die Top-Level-Domain „cc“ nicht sofort geläufig sein sollte: Es handelt sich um die malerischen Kokosinseln, eine Inselgruppe im Indischen Ozean mit einer Bevölkerung von knapp 600 Menschen.

Was schon bei kino.to funktionierte – man nehme eine Webseite mit exotischer Endung, fragwürdigem Serverstandort (Server steht in Deutschland – geändert am 04.07.) und viiiiiiiel bunter Werbung – hier, um einen vermeintlich nützlichen Service bereitzustellen, der von arglosen minderjährigen Nutzern mit deren privaten Bildern, Videos, Chats, Meinungen und anderen personenbezogenen Daten gefüllt wird.

Zielgruppe: Kinder

In erster Linie darf man nicht vergessen, dass die Zielgruppe allein auf Schüler, meist also Kinder abzielt – unter anderem auch auf Kinder, die noch nicht die Reife und Einsichtsfähigkeit haben, dass sie mit der Nutzung so einer Gemeinschaft verantwortlich umgehen können.

OK, man findet eine Seite „Jugendschutz“ mit Empfehlungen zum sicheren Umgang – auch eine pdf-Broschüre für besorgte Eltern. Das dient alles der seriösen Fassade. Der Realität begegnet man dann bei den Standard-Einstellungen: Privatsphäre – Klar, ich habe nichts zu verbergen (empfohlen). Fotos – sichtbar: für jeden (Erstauswahl). Dazu selbstverständlich Werbung, Games, Werbung, Kooperation mit tape.tv, Werbung…

Impressum? Ja, aber…

Nach § 5 Abs. 1 Telemediengesetz muss ein Diensteanbieter eine Reihe von Informationen im Impressum bereitstellen. Zwar hat schueler.cc ein Impressum – nur wer wirklich verantwortlich ist, steht nicht so ausdrücklich da, wie vom Gesetzgeber gewünscht.

Wer also steckt dahinter: Eine Whois-Suche ergab als admin-c einen Deutschen, der Geschäftsführer einer deutschen GmbH ist. Der wäre doch als Verantwortlicher im Impressum schon mal eine gute Wahl. Unter Kooperationen /B2B / Presse ist eine Gesellschaft angegeben, die mit der Betreiberin „in Geschäftsbeziehung“ steht. Der Nutzer kann es sich also aussuchen…

Anders als in der Eigenwerbung angegeben, wird die Plattform eben nicht „made by yourself“ also von Schülern gemacht, sondern von einer wirtschaftlich arbeitenden GmbH, die sich als Ideenschmiede begreift, vor allem für E-Commerce.

„Interessante“ AGB

Dafür zeichnet sich schueler.cc durch einen kreativen Umgang mit unserem Recht aus. So wird für die gesamte Nutzungszeit ein Newsletter abonniert (Abbestellmöglichkeit?). Fotos und Beiträge dürfen vom Betreiber uneingeschränkt genutzt werden, auch für Werbezwecke – solange der Nutzer sie nicht entfernt (Frage: Wissen die Kinder, dass sie dem zugestimmt haben?).

Sehr schön auch folgendes:

Der Benutzer verzichtet auf die Einleitung jeglicher rechtlicher Schritte gegen Schueler.cc insbesondere auf der Grundlage einer möglichen Verletzung seines Rechts am eigenen Bild, seiner Ehre, seines Rufes oder seines Rechts auf Wahrung seiner Privatsphäre (…)

Hier erübrigt sich wohl jeder Kommentar.

Datenschutz?

Dünn. Die Erhebung und die Verarbeitung der Daten erfolgt unter Einhaltung der Datenschutzgesetze der Bundesrepublik Deutschland und der Datenschutzbestimmungen der Europäischen Union. Ach ja? Was denn sonst!

Außerdem werden die Daten nicht an Dritte weitergegeben, außer an verbundene Internet-Dienstleistungen. Hmm. Ein ebenfalls zur besagten Gruppe gehörender E-Commerce Anbieter (verbundene Internet-Dienstleistung?) gibt die Daten jedenfalls „an andere Unternehmen in Mitgliedstaaten der Europäischen Union weiter.“ Wenn man die Kette von Übermittlungen weiterspinnt, landen die Daten womöglich noch auf den Kokosinseln…

Fazit: Finger weg!

Sie haben Fragen?

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  • Datenschutzkonforme Gestaltung von Social-Media-Kampagnen und Fanpages
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5 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Nur eine kleine Korrektur noch: die Domain-Endung lässt nicht auf den Serverstandort schließen. Hierfür hätte man eine „whois“-Abfrage auf die IP der Server machen müssen – und heraus gefunden dass diese ebenfalls in Deutschland stehen.

    Zum restlichen Inhalt: sehe ich ähnlich.

  2. @m1: Dein Kommentar wurde nicht freigeschaltet, weil wir Troll-Kommentare nicht zulassen. Bitte argumentiere sachlich.

    Natürlich ist es polemisch, aufgrund der Domainendung eine ironisch überspitzte Analogie zu illegalen Seiten wie kino.to herzustellen – schueler.cc ist schließlich nicht illegal. Aber wer selber unsauber arbeitet, darf sich nicht wundern, dass er auf’s Korn genommen wird – ggf. eben auch mit Mitteln der Übertreibung. Interessanterweise hat schueler.cc prompt sein Impressum geändert. So abwegig war die Kritik also gar nicht…

  3. Troll-Kommentar? Das kann ich so nicht stehen lassen. Mein Kommentar hat das Niveau eueres Artikels auf alle Fälle nicht unterschritten. Ich habe euere Argumente widerlegt und entsprechend mit Übertreibungen euere Recherchefähigkeiten untergraben. Meine Argumente waren inhaltlich korrekt und jedes einzelne mit Quellen untermauert.

    „Aber wer selber unsauber arbeitet, darf sich nicht wundern, dass er auf’s Korn genommen wird – ggf. eben auch mit Mitteln der Übertreibung.“

    Du hast aber schon genauer über den Satz nachgedacht? Ihr habt ebenso unsauber gearbeitet, als ihr diesen Artikel geschrieben habt, also braucht ihr euch ebenso nicht wundern, wenn dann in den Kommentaren – mit Mitteln der Übertreibung – gegen euch argumentiert wird. Aber ihr sitzt am längeren Hebel, was die Kommentar-Freischaltung hier angeht. Zensur lässt grüßen ;-)

    „Interessanterweise hat schueler.cc prompt sein Impressum geändert. So abwegig war die Kritik also gar nicht…“

    Vielleicht hat man, mit Hilfe eueres Artikels, zur Kenntnis genommen, dass es zu Missverständnissen bei den im Impressum gemachten Angaben kommen kann. Von daher finde ich es sogar löblich, dass so schnell darauf reagiert wurde und eventuelle Missstände behoben wurden. Zeigt doch einmal mehr, dass es hier nicht um Verschleierung geht. Ebenso wurden die Whois-Daten aktualisiert (wie das abzufragen geht, habe ich in meinem anderen – nicht freigeschalteten – Artikel geschrieben ;-) ).

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