Sieg der Paranoia? – Ein Kommentar zur Bequemlichkeit

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Ich gehöre in die Kategorie „Ich habe doch nichts zu verbergen.“.

Zumindest kann man das meinen, wenn man meine Aktivitäten zum Schutz meiner Privatsphäre von außen betrachtet. Es gibt nämlich keine Aktivitäten. So einfach ist das.

Ist das wirklich so einfach?

Ich habe jede Nachricht rund um den NSA-Skandal verfolgt, gemacht habe ich nichts. Ich kenne die Problematik rund um WhatsApp und trotzdem schreibe ich damit mehr als 20 Nachrichten am Tag. Ich weiß, dass Windows eher schwach ist, und trotzdem benutze ich kein Linux-System.

Zu WhatsApp gibt es beispielsweise eine wirklich gute Alternative: Threema. Die nutzt aber keiner. Und damit verfehlt eine Messaging-App leider ihren Nutzen. Und ich habe mich nicht bemüht, meine Freunde zur Nutzung zu bewegen.

Aber tue ich das alles (nicht), weil ich nichts zu verbergen habe? Das dann wohl doch eher nicht.

Der Grund ist ganz einfach: Ich bin faul.“

Und so einfach ist das leider wirklich. Wenn ich das Risiko mit den Einschränkungen abwäge, dann siegt eben die Bequemlichkeit.

Ab heute wird alles anders!

Aber pünktlich zum neuen Jahr wird jetzt alles anders. Naja, zumindest ein bisschen. Was war der Anlass?

Bereits im Dezember wurde berichtet, dass die übliche kleine Lampe neben der Webcam sich nicht zwangsläufig mit einschaltet, wenn die Kamera aktiviert wird. Man hat also keine Chance, einen solchen Hackerangriff auf die Kamera zu bemerken.

Und gestern kam dann der letzte kleine Anstoß, den ich noch benötigte, um aktiv zu werden. Der Heise-Verlag veröffentlichte bei Facebook (!) einen speziellen Sichtschutz für die Webcam. Irgendwie der letzte Tropfen in einem schon sehr vollen Fass.

Sicherheit wiederhergestellt oder Sieg der Paranoia?

Was habe ich also gestern gemacht? Wieder mal fast nichts. Aber dann doch immerhin etwas. Ich habe diese Klebepunkte bestellt. 1000 Stück. Damit werde ich jetzt alle Webcams und die Frontkameras an Tablet und Handy zukleben.

Wahrscheinlich wird mich kein Hacker angreifen. Wahrscheinlich ist das wirklich Paranoia. Aber für den sehr unwahrscheinlichen Fall eines Hackerangriffs ist dann zumindest meine Webcam sicher. Immerhin.

Die restlichen 995 Klebepunkte werde ich dann in meiner Umgebung verteilen. Vielleicht einfach nur als kleine Erinnerung, dass Politik und Wirtschaft kein Interesse daran haben, meine Daten zu schützen. Dafür muss ich selbst was tun.

PS:

Wenn ich damit fertig bin, suche ich bei Google nach der nächsten Demonstration gegen die vollständige Überwachung unserer Gesellschaft. Irgendwie paradox, aber irgendwo muss man ja anfangen.

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5 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Och, ich Nutze Threema. Auch alle Smartphonenzter meines Bekannten- und Familienkreises. (Was viel Überredung.) Nur haben die meisten GAR KEIN Smartphone. Die wollen doch tatsächlich einfach nur ein Telefon ;).

    Ich würde statt bei Google lieber hier anfangen:
    https://startpage.com/

    Oder wenn man ohne die Google-Ergebnisse leben kann noch besser hier: https://www.ixquick.com/deu/

    Da kann man auch gleich die Suchplugins installieren ;)

    Wenn man technisch etwas besser drauf ist, kann man dann hier weiter machen: http://www.cyanogenmod.org/

    Und wenn man WIRKLICH etwas mehr freiheit haben will sollte man das hier mal in Ruhe abarbeiten: https://prism-break.org/de/

    Viele Grüße und fröhliches Kleben!
    Dagaz

  2. Zwei Anmerkungen:

    1. Hören Sie auf, von Paranoia zu sprechen! Paranoia ist eine schwere psychische Erkrankung. Paranoide fühlen sich z.B. von Außerirdischen verfolgt und befürchten eine Entführung auf den Mars. Wenn man sich von der realexistierenden Totalüberwachung bedroht sieht und jede noch verbliebene Schutzmaßnahme ergreift, ist das nicht paranoid, sondern schlicht vorsichtig.

    Es ist nicht Paranoia, es ist Vorsicht!

    2. Auch wenn Sie Ihren Kommentar ironisch und humoristisch gemeint haben, locken Sie mit dieser lahmen Verniedlichung und Verharmlosung der Totalüberwachung nun wirklich kaum mehr jemanden hinter dem Ofen hervor.

    Wenn Sie tatsächlich (falls nicht ironisch gemeint) der Bequemlichkeit anhängen, kann man Ihnen nur gratulieren. Das schöne an Totalüberwachung ist, dass sie ähnlich wie Radioaktivität anfangs vielleicht fast unsichtbar ist, aber mittel- bis langfristig mit umso mehr Wucht zuschlägt. Diesmal sterben Sie in einigen Jahren nicht an Krebs, immerhin. Aber wenn Sie unschuldig im Knast sitzen und Ihre Existenz runiert ist, dann komme ich Sie besuchen. Den Strick bringe ich Ihnen gratis mit.

  3. @Dagaz:
    Vielen Dank für Ihre Anmerkungen.

    Threema hat sich bei uns vor allem deshalb nicht durchgesetzt, weil es noch immer keine Gruppenfunktion für Android gibt. Das schränkt die Funktionalität dann doch sehr ein und ist wirklich bedauerlich, denn das Produkt an sich ist ja wirklich gut.

    Cyanogenmod hatte ich auf diversen Geräten im Einsatz, habe aber das letzte Handy unglücklicherweise gebrickt, meine Erfahrungen sind daher eher gespalten.

  4. @Malign:
    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich habe lange überlegt, was ich darauf antworten kann.

    Das Problem der Überwachung ist sehr vielschichtig und so besteht auch mein Text aus verschiedenen Elementen. Ein Teil ist sicherlich ironisch/humorvoll gemeint, ein anderer beschreibt aber durchaus auch meine persönliche Lebensrealität. Ich will versuchen, zu einigen Aspekten noch etwas in die Tiefe zu gehen.

    Vieles von dem, was jahrelang nur in Verschwörungstheorien oder in Hollywood auftauchte, ist inzwischen Wirklichkeit. Die Überwachung des Internet- und Kommunikationsverkehrs in unvorstellbaren Dimensionen gehört auf jeden Fall dazu.
    Trotzdem halte ich einige Bedrohungsszenarien nach wie vor für so unwahrscheinlich, dass Abwehrmaßnahmen dagegen zumindest übertrieben erscheinen. Ein Hackerangriff auf meine Laptop-Kamera mit ausgeschalteter Anzeigenlampe fällt für mich darunter. Der Aufwand, den hardwareseitigen Schutz zu umgehen, ist wirklich enorm und es erfordert einen gezielten Angriff auf gerade meinen Rechner. Daher halte ich auch die Verwendung des Begriffs „Paranoia“ zusammen mit einem Fragezeichen (!) für durchaus angemessen.

    Bei Ihrem zweiten Punkt muss ich Ihnen zum Teil zustimmen. Eine Verniedlichung der Überwachung ist fehl am Platze und war von mir auch nicht gewollt. Ich hoffe, dass man meinen Text nicht in diese Richtung interpretiert.

    Ich wollte mit meinem Beitrag den Zwiespalt beleuchten, warum so viele Menschen die Gefahren kennen, aber trotzdem niemand Maßnahmen ergreift oder sich den wenigen Demonstrationen auf der Straße anschließt.

    Und unter diesem Gesichtspunkt habe ich tatsächlich die Wahrheit geschrieben. Ich benutze Google und Facebook und WhatsApp. In den Details habe ich natürlich kleine Maßnahmen ergriffen, z.B. setze ich Ghostery ein und ich habe einen zweiten Browser nur für Facebook, um die Nachvollziehbarkeit über Cookies zu erschweren. Aber im Grundsatz nutze ich all diese Dinge in dem vollen Bewusstsein, einen Teil meiner Daten dabei zu offenbaren.

    Und Sie haben vollkommen Recht, dass die Totalüberwachung der Radioaktivität nicht unähnlich ist. Die Gefahr ist unsichtbar und nicht zu greifen, deswegen hält sich der Protest auch in so engen Grenzen. Mein Beitrag für die nähere Zukunft besteht zunächst darin, die Klebepunkte wirklich in meinem Bekanntenkreis zu verteilen und die Leute dabei für dieses Thema zu sensibilisieren.

    Und auch mit meinem letzten Absatz, habe ich die Wahrheit gesagt. Ich suche tatsächlich nach Demonstrationen. Denn nur so kann man Politik und Medien vielleicht dazu bringen, in dieser Sache verstärkt tätig zu werden. Vielleicht, so hoffe ich zumindest, kann ich so dem Strick dann doch noch entgehen.

  5. Ich sehe in den Üüberwachungspraktiken der NSA vor allem eine Gefahr für die Demokratie, weil damit vorrangig alle einflussreichen Politiker, Banker und andere Manager sowie deren gesamtes Umfeld totalüberwacht wird und hierdurch ganz simpel erpressbar ist. Wer sieht, über welche Kleinigkeiten die Karriere von in der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeiten zerbricht, dem muss klar sein, dass die NSA so ziehmlich jede solche Karriere durch gezielte Veröffentlichungen zügig beenden könnte, wenn jemand zum Problem wird. Regierungsmitglieder beschäftigen sich derart oft mit vertraulichen Informationen, dass es praktisch unmöglich sein dürfte, da nicht mal Fehler zu machen. Auch markige Sprüche sind am Telefon unter Freunden schnell mal geäußert.

    In Sachen Überwachung steht aber wohl auch das von unserer deutschen Regierung verwendete Programm FinFisher nicht nach. Auch hiermit lassen sich perfektere Ergebnisse erzielen, als mit den Überwachungsmethoden der ehemaligen Stasi. Seltsam ist, dass sich unsere Politiker, Banker usw. um diese Dinge anscheinend nicht viel Gedanken machen, zumindest nicht öffentlich.

    Lange Zeit haben die wohl geglaubt, dass nur das gemeine Volk ausgespäht werden soll. Ich bin jedenfalls froh, dass ich mit so jemandem nicht verwandt bin. Aber wegen der Gefahr noch gefügigerer Führungseliten such auch ich beständig nach Demonstrationsmöglichkeiten mit Googleergebnissen, aber wenigstens über Startpage.com.

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