Smartphone Bilder und Videos als Beweismittel

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Fachbeitrag

In einem Strafprozess können Bilder und Videos wertvolle Beweismittel sein. Ob diese anerkannt werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Bild- oder Filmaufnahmen als Beweismittel

Eine Schlägerei im Bahnhofsviertel, ein Wohnungseinbruchsdiebstahl, ein Handtaschenraub auf offener Straße – Fälle alltäglicher Kleinkriminalität, die meist nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten aufgeklärt werden können. In Zeiten der flächendeckenden Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs kommt es jedoch nicht selten vor, dass ein aufmerksamer Passant die Tat zufällig oder absichtlich fotografiert oder gefilmt hat. Manchmal findet die Bild- oder Filmaufnahme dann auch den Weg zu den Ermittlungsbehörden.

Anerkennung als Beweismittel in der Regel möglich

Grundsätzlich sind derartige Aufnahmen wertvolle Beweismittel. In einem Strafverfahren kann eine Videoaufzeichnung als sogenanntes Objekt richterlichen Augenscheins nach § 86 der Strafprozessordnung (StPO) in den Prozess eingeführt werden.

Zudem hat das Gericht die Beweisaufnahme zur Erforschung der Wahrheit von Amts wegen auf alle Tatsachen und Beweismittel zu erstrecken, die für die Entscheidung von Bedeutung sind (§ 244 Abs. 2 StPO). Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Film- oder Bildmaterial bestimmten Anforderungen genügt. Dazu gehört beispielweise, dass nachvollziehbar ist, wann und wo das Material entstanden ist.

Metadaten immer wichtiger

Mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones und den noch immer vielfach genutzten Digitalkameras werden daher sogenannte Metadaten immer wichtiger. Bei Metadaten handelt es sich um Zusatzinformationen, die in der jeweiligen Datei hinterlegt werden. Hierzu können je nach Gerät zählen der Aufnahmeort in Form der GPS-Geopositionsdaten, Aufnahmedatum und -zeit, das Kameramodell, das verwendete Objektiv, Weißabgleich und viele weitere Informationen.

Diese Metadaten werden von den Geräten automatisch erzeugt, ohne dass es vom Nutzer noch eines Zutuns bedarf und können ohne Aufwand von allen gängigen Apps auf dem Gerät selbst, oder mit Bildbearbeitungs- und Betrachtungsprogrammen auf dem Computer angezeigt werden und erlauben so Rückschlüsse über die Umstände des aufgenommenen Bild- oder Filmmaterials. Die auf dem Markt verfügbaren Geräte verfügen in der Regel über eine entsprechende Hardwareausstattung.

Nicht immer sichergestellt werden kann jedoch, ob die vorgelegten Aufnahmen tatsächlich authentisch sind. Moderne Bild- und Videobearbeitungsprogramme machen mittlerweile nahezu perfekte Manipulationen von Beweismaterial möglich, die auch ein Experte nur noch unter größeren Schwierigkeiten als solche identifizieren kann. Insoweit ist es immer eine Einzelfallentscheidung, ob entsprechendes Material vom Gericht berücksichtigt werden kann. Zu berücksichtigende Faktoren können dabei sein die Qualität des Ausgangsmaterials ist, ob die Quelle bekannt ist, ob es Hinweise auf eine etwaige Manipulation gibt oder das im Raum stehende Strafmaß.

Technische Ausstattung der Gerichte zieht mit

Auf Seiten der Gerichte ist zunehmend zu beobachten, dass Verhandlungssäle vermehrt mit technischen Mitteln ausgestattet werden, welche die Einsichtnahme in Beweismittel erlauben, die sich in Dateiform auf einem Speichermedium befinden. Und auch bei den Verteidigern ist es inzwischen gang und gäbe ein Notebook in der Verhandlung zu nutzen, um die Verfahrensakte „griffbereit“ zu haben.

Update 08.10.2015:

Dieser Artikel wurde inhaltlich überarbeitet.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. @Frau Ackermann

    „Eine Schlägerei im Bahnhofsviertel, ein Wohnungseinbruchsdiebstahl, ein Handtaschenraub auf offener Straße – Fälle alltäglicher Kleinkriminalität, die meist nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten aufgeklärt werden können.“

    Plädieren Sie also für flächendeckende Videoüberwachung? In London ist dies ja schließlich eine unbestreitbare Erfolgsgeschichte. In London gibt es keine Schlägereien, Raubüberfälle und Einbrüche mehr, seitdem jeder Winkel der Straßen mit Kameras überwacht wird. In Deutschland hingegen kann man ja kaum noch sicher durch die Straßen gehen. An jeder Ecke wird man bedroht, überfallen, ausgeraubt und zusammengeschlagen. Seitdem niemand mehr auf sichere Schlösser, Türen und Fenster setzt, sondern ausschließlich auf Kameras, gibt es auch keine Einbrüche mehr.

    „Moderne Bildbearbeitungsprogramme machen mittlerweile nahezu perfekte Manipulationen von Beweismaterial möglich, die auch ein Experte nur noch unter größeren Schwierigkeiten als solche identifizieren kann.“

    Höchste Zeit also, um flächendeckend Dash-Cams in Autos einzubauen, nicht wahr? Es wäre doch zu schade, wenn die „Autobumser“ keine Möglichkeit mehr hätten, mit gefälschten, zum Verwechseln echt aussehenden Beweisvideos Versicherungsbetrug zu betreiben.

  2. Guten Tag,
    die App ist laut eigenen Angaben nur für Kriegsverbrechen und dergl. gedacht – ’normale‘ Kriminalfälle würden gar gesperrt…

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