„Summer of Zuck“ und die Farce der Facebook-Wahl

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Das Messen mit zweierlei Maß ist eine Eigenschaft, die wohl grundsätzlich als negativ angesehen wird. Und so hat es wohl schon so manchen in den Fingern gejuckt, in diesen Fällen der Ungleichbehandlung Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen.

In diesem Fall hat es nun Marc Zuckerberg erwischt, auf den, nun ja, nahezu ein Kopfgeld ausgesetzt worden ist – und zwar pro Schuss 20 Dollar. Aber beginnen wir von vorne…

Die Farce der Facebook-Abstimmung

Um den Nutzern einmal mehr zu verdeutlichen, wie wichtig dem größten „sozialen“ Netzwerk der Welt Datenschutz tatsächlich ist, gab es eine Abstimmung über neue Datenschutzrichtlinien. Diese sollten bei einer Wahlbeteiligung von 1/3 – also 270 Millionen – der aktiven Nutzer bindend werden. An dieser Stelle mag der geneigte Wahlbeobachter aus anderen Bereichen aktive Aufforderung zur Wahl erwarten, um eine möglichst hohe Wahlbeteiligung zu erreichen. Aus anderen Bereichen – wie etwa der Politik – kennt man etwa Plakate, Flyer, Infostände, Werbespots und und und. Facebook ist das ganze Unterfangen etwas anders angegangen – nämlich passiv.

Passiv in diesem Fall heißt nicht etwa ein Hinweis in der Timeline oder eine Info-Nachricht an alle Nutzer. Nein, vielmehr hieß dies eine Info an die Nutzer über die sogenannte „Facebook Site Governance“. Diese Seite ist eine normale Facebook-Seite und Nutzer, die diese Seite nicht abonniert haben, werden daher auch nicht über Änderungen auf ihr informiert. Und so erreichte die Information über die Abstimmungsmöglichkeit etwa 99,75 % der Nutzer überhaupt nicht.

Das Ergebnis der Wahl, die keine war

Und so wundert es kaum, dass nach Ablauf der Wahlfrist eine Wahlbeteiligung von ganzen 0,04 % zustande kam. Ganz praktisch, denn immerhin hatte sich der Großteil der Teilnehmer, laut welt.de immerhin 297.883, gegen die neuen Richtlinien ausgesprochen.

Laut handelsblatt.com wollte Facebook mit den neuen Richtlinien zahlreiche Änderungen und Präzisierungen einführen sowie Daten länger als bisher aufheben. Da sich bereits im Mai 7000 Nutzer über Kommentare gegen die geplanten Änderungen ausgesprochen hatten, wurde die Abstimmung durchgeführt.

Doch Facebook zeigt sich einsichtig und kündigte an, das Wahlverfahren und die 30 %-Hürde zu überarbeiten. Man darf also gespannt sein…

Den Spieß umgedreht – Mark Zuckerberg vogelfrei

Während die Privatsphäre anderer ihm ganz offensichtlich ziemlich egal ist, achtet der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in eigener Sache ziemlich penibel auf Wahrung derselben. Während er selbst sehr zurückhaltend bei Postings sei und auch seine Hochzeit geheim halte, propagiert er auf der anderen Seite „die Kultur des öffentlichen Teilens“, so spiegel.de.

Um also hier das gleiche Maßband anzusetzen, lockt nun der Blog Gizmodo mit dem Titel „We’ll pay You for Photos of Mark Zuckerberg“ und bietet 20 $ pro Foto.

„Summer of Zuck“

Das Argument für die Geschäftsidee der Schnappschüsse basiert letztlich auf nichts anderem als dem altbekannten Grundsatz: „Wie du mir, so ich dir“. Zumindest vertritt der Autor des Artikels auf Gizmodo, Mat Honan, diese Ansicht:

„For all his bluster about public sharing, Zuckerberg reveals very little of himself. That needs to change. (…) Zuckerberg is claiming ownership of your privacy, one Like at a time. So it only seems fair that we own something of his as well. (…) Welcome to the Summer of Zuck. No longer privately held, Facebook is itself a public company, with a public CEO. We think it’s time he evolves along with his company. In short, it’s time for Mark to go public too.

Dann gibt es noch ein paar Regeln und die Jagd ist eröffnet.

Und wieder: Das Messen mit zweierlei Maß

Auch wenn der Plan von Mat Honan auf den ersten Blick ganz gut aussieht und auch irgendwie gerecht, so zeigt er auf den zweiten, dass auch hier mal wieder mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn obwohl Mark Zuckerberg das Ende der Privatheit propagiert, selbst allerdings großen Wert auf die Einhaltung seiner eigenen legt und es ihm daher „ganz recht geschieht“, dass da ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde, so darf man doch eins nicht vergessen:

Der Facebook-Nutzer hat noch immer die Wahl, wie er Facebook nutzt und welche Details seines Lebens er veröffentlichen möchte…

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Es stimmt nicht ganz, dass man die Wahl hat. So sind Informationen über mich gespeichert, weil *andere* Meine Mailadresse über ihr Adressbuch an Facebook verraten haben. Schon das ist Information über mich (nämlich wer kennt mich, “Sie könnten auch … kennen”, usw.), ohne meine Einwilligung (denn ich bin aus Prinzip nicht bei Facebook).

  2. Das ist sicherlich richtig. Auch mit dem Facebook-Like-Button werden ja bereits Daten gesammelt, ohne dass ich das bemerke.
    iframe – Wie funktioniert’s und wo ist das Problem?
    Skandal: Facebook trackt Surfverhalten auch nach Log-out

    Allerdings muss man sagen, dass der Großteil der Informationen (und vor allem solche sensible Daten wie Fotos) in der Regel von den Nutzern selbst bei Facebook eingestellt werden. Hier wäre eine weitere Sensibilisierung und Aufklärung sicher dringend nötig.

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