Vernetztes Fahren – „Das nächste große Ding“

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Wer demnächst auf der Autobahn unterwegs ist, wird von seinem „digitalen Zwilling“ auf der Datenautobahn verfolgt. „Vernetztes Fahren“ ist das Stichwort, das Managerträume in der Automobilindustrie beflügelt, haben sie doch in der realen Welt mit stagnierenden Absatzzahlen zu kämpfen. Höchste Zeit, dass auch über die Albträume der Datenschützer gesprochen wird.

Augmented Reality Driving

Der Autozulieferer Harman hat die Fahrsicherheits-App „iOnRoad“ vorgestellt. Der neue Fahrassistent beobachtet im Wesentlichen über die Kamera eines Mobilgeräts die Verkehrssituation, die mit dem Verhalten des Autofahrers abgeglichen wird. Es handelt sich um eine sog. „Augmented Reality Driving“-Anwendung, die beispielsweise warnt, wenn sich das eigene Auto einem anderen Fahrzeug gefährlich nähert oder aus der Spur gerät.

Heise beleuchtet die Schattenseiten des Fahrassistenten: Sämtliche Daten zum Fahrverhalten werden gesammelt und könnten ausgewertet werden. Nach Angaben von Harman geschieht das nur, wenn der Fahrer explizit eingewilligt hat. Aber tatsächlich ist man schon viel weiter.

Wer interessiert sich für die Daten?

Versicherungen

Wie wir bereits berichtet haben, gibt es in Deutschland die erste Versicherung, die anhand solcher Daten das Fahrverhalten des Versicherungsnehmers bewertet und danach die Prämie berechnet. Ein Modell, das z.B. in den USA oder Italien schon sehr verbreitet ist.

Kommunen

Kommunen planen, Autos und Stellflächen digital zu vernetzen. Parkplatzsuchende könnten so zu freien Parkplätzen geleitet werden, was erst einmal sinnvoll klingt. Aber die Kommunen werden die neuen Möglichkeiten nicht vollkommen selbstlos einsetzen. So wäre es möglich, einen Parkplatz unter mehreren Interessenten an den Meistbietenden zu versteigern.

Wie die Zeit meldet, ist das keine Zukunftsmusik: In San Francisco ermitteln intelligente Parkuhren die Gebühren selbst, sodass die Preise zwischen 25 Cent und 6 Dollar pro Stunde schwanken. Für Parkplätz in begehrter Lage werden während einer Großveranstaltung wie einem Marathon-Lauf auch schon einmal 18 Dollar aufgerufen.

Automobilindustrie

Der Automobilindustrie liefern die Daten wertvolle Erkenntnisse, insbesondere darüber, welche Bedienelemente der Fahrer wie häufig und in welchen Situationen nutzt.

Ford fängt schon mal an

Da die Daten von so großem Interesse sind, erhebt sie das Automobil-Unternehmen Ford einfach selbst – mithilfe eines GPS-Systems. Der Business Insider zitiert Fords Vizechef für Marketing & Sales, Jim Farley, der sich im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsüberschreitungen äußerte:

Wir kennen jeden, der das Gesetz bricht. Wir wissen, wann Sie es tun. Wir haben GPS in Ihrem Auto, wir wissen also, was Sie tun. Übrigens, wir geben diese Daten an niemanden weiter.

Nach deutschem Recht ist allerdings schon das Sammeln der Daten ohne Einwilligung des Autofahrers strafbar. Der Bundesgerichtshof verurteilte am 4. Juni 2013 zwei Mitarbeiter einer Detektei zu Freiheitsstrafen auf Bewährung, weil sie heimlich einen GPS-Sender am Fahrzeug einer observierten Person angebracht hatten (Az.:1 StR 32/13).

Das nächste große Ding

Trotzdem ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Die Süddeutsche Zeitung hat bereits eine Rubrik „Vernetztes Fahren“ eingerichtet und die FAZ titelt: „Das nächste Große Ding“.

Tatsächlich eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten, wenn Versicherungen, Automobilhersteller und der Staat das Fahrverhalten in Echtzeit überwachen, also quasi auf dem Beifahrersitz Platz nehmen:

Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung könnte automatisch die Versicherungsprämie erhöht und das Bußgeld abgebucht werden. Vielleicht schaltet sich bei entsprechenden Punktestand in Flensburg auch noch gleich der Motor ab …

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. “Vielleicht schaltet sich bei entsprechenden Punktestand in Flensburg auch noch gleich der Motor ab …”

    Vielleicht läuft das Fass der Überwachungsideologie beim Anschlag auf das Auto, die heilige Kuh der Deutsche, endlich über und die Menschen wachen auf.

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