Apple HomePod – In Sachen Datenschutz alles ok?

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Am ersten Tag seiner jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple gestern den vernetzten Lautsprecher HomePod vorgestellt. Der mit Siris künstlicher Intelligenz ausgestattete Lautsprecher wird ausschließlich durch Sprachbefehle gesteuert. Das wirft natürlich datenschutzrechtliche Bedenken auf.

Der Apple HomePod

Mit dem HomePod zieht Apple nach und bietet nach Amazon, Google und Sonos als vierter großer Anbieter ein Lautsprechersystem an, das sich über Sprachbefehle steuern lässt. Dabei wird auf eine reguläre Benutzeroberfläche wie etwa einen Bildschirm verzichtet. Allein Apples Computerstimme Siri dirigiert den Nutzer durch die unterschiedlichen Funktionen.

Nach Aussage von Apple ist der HomePod zunächst in erster Linie als Gerät zum Musikhören gedacht. Mit seinen insgesamt acht Lautsprechern und sechs integrierten Mikrofonen soll er für ein einmaliges Klangerlebnis sorgen. Dabei scannt er den Raum und die darin befindlichen Personen in Echtzeit, indem er permanent die zurückgeworfenen Schallwellen analysiert und die Tonausgabe entsprechend optimiert. Daneben beantwortet Siri auch Fragen zu aktuellen Songs („Wer ist der Sänger“), zum Wetter oder den aktuellen Fußballergebnissen. Zudem sollen sich über den HomePod Nachrichten verschicken und das „vernetzte Zuhause“ steuern lassen.

Um all das zu gewährleisten, muss Siri sich natürlich immer in Lauerstellung befinden. Siri hört also immer mit, 24 Stunden am Tag. Da stellt sich die Frage, was mit den so gewonnenen Informationen passiert. Das lässt sich bisher nur theoretisch beantworten, denn Marktreife hat der HomePod noch nicht erreicht. Auf der Entwicklerkonferenz wurden lediglich zwei Prototypen vorgeführt. In den USA ist die Markteinführung für Ende 2017 geplant, in Deutschland soll der HomePod frühestens 2018 erscheinen.

Welche Daten werden gesammelt?

Da es das Produkt zurzeit noch nicht im Handel gibt, existiert auch noch keine darauf abgestimmte Datenschutzerklärung. Daher kann die Frage des Umfangs der gesammelten Daten noch nicht abschließend beantwortet werden. Laut Apple soll das Ganze jedoch so ablaufen:

  • Alle Gespräche in Hörweite des Geräts werden – wie auch bisher bei Siri – konstant auf den Befehl „Hey Siri“ hin überprüft. Die Speicherung erfolgt nur lokal auf dem Gerät und wird regelmäßig überschrieben.
  • Wird der Startbefehl „Hey Siri“ registriert, beginnt eine neue Aufzeichnung. Alle Fragen und Kommandos des Nutzers werden jetzt an die Apple-eigenen Server übertragen, zuvor jedoch Ende-zu-Ende-verschlüsselt und mit einer anonymen Siri ID versehen.
  • Die übertragenen Sound-Clips werden bis zu zwei Jahren gespeichert.

Das sind einerseits natürlich erfreuliche Nachrichten. So findet die Dauerüberwachung nur lokal im Gerät selbst statt, diese Soundmitschnitte werden nicht an Apple gesendet. Allerdings ist zu erwarten, dass wohl beim HomePod zumindest auch die Daten erhoben werden, die bei der bisherigen Nutzung von Siri und iTunes an Apple übermittelt werden.

Zu Siri findet sich bisher beispielsweise folgende Erklärung:

„Damit deine Aussprache erkannt wird und du noch passendere Antworten erhältst, werden bestimmte Benutzerdaten wie dein Name, deine Kontakte und Songs in deiner Mediathek über verschlüsselte Protokolle an Server von Apple gesendet.“

Zu Apple Music heißt es:

„Informationen, wie der Account, das Gerät oder die IP-Adresse, die Sie zum Abspielen von Musik verwendet haben, (…) den Zeitpunkt, zu dem Sie sie abgespielt haben und für wie lange, werden von Apple aufgezeichnet und an Apple gesendet. Wir nutzen diese Daten, um Ihr Apple Music-Erlebnis individuell an Sie anzupassen. Außerdem möchten wir genauer verstehen, auf welche Art und Weise Apple Music verwendet wird, damit wir es verbessern können.“

Anonym dank Siri ID?

Man muss sich also fragen, wie anonym die Siri ID wirklich ist. Denn wenn Apple mit der Nutzung von Siri, wie in der aktuellen Datenschutzerklärung aufgeführt, auch den Namen des Nutzers und ggf. auch dessen Kontakte überträgt, stellt sich natürlich die Frage, inwieweit eine Siri ID überhaupt anonym sein kann.

Aber auch die gespeicherten Sprach-Clips allein lassen unter Umständen einen Rückschluss auf den Nutzer zu und stellen damit personenbezogene Daten dar. Ob deren Übermittlung und Speicherung auf Apple-Servern zur Erbringung der Dienste des HomePod erforderlich ist, wie es § 28 Abs. 1 BDSG fordert, ist fraglich. Im Unklaren bleibt zudem, wie die so gewonnen Daten genutzt werden, um zu gewährleisten, dass der Nutzer „noch passendere Antworten“ erhält. Die Datenschutzerklärungen lassen jedenfalls einigen Raum für Interpretationen.

Auch die Frage, in welchem Land die Daten gespeichert werden, sollte man sich stellen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund datenhungriger Regierungen und Geheimdienste einiger unserer westlichen Verbündeten.

Klarheit ist frühestens 2018 zu erwarten

Dass Apple das Thema Datenschutz allem Anschein nach ernster nimmt, als einige seiner Konkurrenten, ist zumindest löblich. Letztlich bleibt jedoch abzuwarten, wie Apple seinem Selbstverständnis als nicht an Nutzerdaten interessiertem Unternehmen gerecht werden will. Dies entscheidet sich wohl mit der Markteinführung frühestens im nächsten Jahr. Allein eine verschlüsselte Übertragung an die Unternehmensserver in den USA jedenfalls wäre etwas wenig. Am Ende entscheidet jedoch auch hier wieder der Nutzer, wie gläsern er für etwas mehr Komfort werden möchte. Der bisherige Erfolg der Konkurrenten Amazon Echo und Google Home jedenfalls lässt vermuten, in welche Richtung sich die Waagschale neigt.

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