Bonusprogramm Payback: Verkaufen Sie Ihre Daten?

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Fachbeitrag

„Payback“ heißt nicht nur ein guter Film mit Mel Gibson, sondern auch das größte Bonusprogramm in Deutschland.

Übersetzt bedeutet das englische Wort „Payback“ entweder „Rückerstattung“ oder „Rache“. Die dem Bonussystem Payback zugehörigen Unternehmen (u.a. Galeria Kaufhof, real, Aral) wollen ihren Kunden selbstverständlich nichts Böses, sondern sie vielmehr für ihre Einkäufe mit reichlich Bonuspunkten bis in die Tausende belohnen.

Wer mit Hilfe seiner Kundenkarte eine gewisse Anzahl an Punkten gesammelt hat, kann diese gegen eine von ihm ausgewählte Prämie eintauschen. “Payback“ belohnt Kundentreue also mit der „Rückzahlung“ in Form von Sachprämien. Betrachtet man dieses oder andere Bonusprogramme jedoch mit dem datenschutzrechtlichen Auge, kommt einem die Übersetzung „Rache“ wieder in den Sinn.

Bonuspunkte gegen Daten

Vielen Besitzern einer Kundenkarte, sei es die von Payback, die DeutschlandCard oder eine andere, ist nicht bewusst, dass auch sie für die erhaltenen Bonuspunkte mit einer Ware von messbarem Wert zurückzahlen: Ihr Payback sind die eigenen Daten.

Man muss nur genauer hinsehen, wie zum Beispiel in das aktuelle Anmeldeformular von Payback. Nach Eingabe der Basisdaten muss die folgende Klausel akzeptiert werden:

Erstellung von Kundenprofilen

Danach werden also alle anfallenden Kundendaten zusammengeführt und dafür verwendet, Werbung möglichst individuell zuzuschneiden. Zu diesen Daten gehören neben den bei der Anmeldung gemachten Angaben alle Informationen über getätigte Einkäufe sowie anfallende Nutzungsdaten auf payback.de.

Aus der Kombination von Anschrift (lässt Rückschlüsse auf die Kaufkraft zu) und Konsumverhalten lässt sich ein ausgefeiltes Kundenprofil erstellen. Auch wenn derartige Einwilligungserklärungen immer weiter verbessert wurden, bleibt die datenschutzrechtliche Zulässigkeit fraglich (ausführlich: Haag, Direktmarketing auf Grundlage von Bonusprogrammen).

Prämien entsprechen einem Rabatt von 1%

Bei Payback ist ein Bonuspunkt einen Cent wert und diesem Gegenwert entsprechend werden auch die Prämien angeboten. Das bedeutet eine Rabattgewährung von einem Prozent. Für die Unternehmen eine überschaubare Größe, wenn man bedenkt, das sämtliche Rabattanfragen mit dem Hinweis auf das Bonusprogramm abgewehrt werden können.

Darüber hinaus muss man bedenken, dass viele Bonuspunkte ungenutzt verfallen dürften: Bei der zuerst erreichbaren Prämie, die einen Umsatz von immerhin 200 Euro voraussetzt, handelt es sich um einen Klingelton fürs Handy.

Ein gutes Geschäft – nur für wen?

Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er dazu bereit ist, für wenig attraktive Prämien seine Daten für Auswertungen und zielgerichtete Werbung freizugeben.

Der „Payback“ des Kunden ist in der Regel wertvoller als die so umfangreich beworbenen Bonuspunkte und Prämien. Der deutsche Titel des Films Payback lautet übrigens „Zahltag“. Wenn Sie also das nächste Mal nach Ihrer Payback-Karte gefragt werden, steht wieder ein solcher Zahltag an und Sie sollten vielleicht noch einmal überlegen, ob Sie mit Ihren Daten für die angebotenen Bonuspunkte buchstäblich zahlen wollen.

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6 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. In dem Falle, dass ich nach einer Payback-Karte gefragt werde, schaue ich immer, ob vor oder nach mir Kunden mit selbiger einkaufen wollen.
    Diese Karte wird dann verwendet.
    Die 5-20 Cent sind’s allemal wert, wenn ich dafür ein bis zwei Profile “versaue”. ;-)
    (15-jährige mit Windeln oder Omi-Witwe mit Herren-Rasierschaum).

  2. Lieber Datenschutzbeauftragter,

    da wurde nicht ganz zuende recherchiert ;-)

    Leider gibt es real nämlich gar keinen Rabatt. Im Gegenteil: man muss bezahlen!

    Beispiel: Ich fahre jeden Tag die gleiche Strecke und an zwei “Referenztanken” vorbei. Bei Rabatttanke kostet der Sprit i m m e r genau 1 cent mehr als bei der anderen. Hinzu kommt noch, dass die Prämien mit Zusatzzahlungen verbunden sind – zumindest die interessanten. Preisvergleiche im normalen Handel mit ähnlichen bzw. identischen Produkten liefern überraschende Ergebnisse. Ich sammle trotzdem. Keine Ahnung warum … Habe noch nie etwas eingelöst …

    Grüße, Kai

    • Lieber Kai,
      das ist zwar alles war was du schreibst, aber bei mir ist es so: ich kaufe oftmals bei DM ein (weiblich, 21…sagt alles) und habe eine Payback-Karte. Die Payback Punkte, die ich gesammelt habe (bei Dingen, die ich ja sowieso gekauft hätte!!) löse ich nicht für Sachprämien ein, sondern nutze sie, sobald es genug sind, für meinen nächsten Einkauf sind. Hierbei fällt mir kein Nachteil ein… Wenn Payback bzw DM meinen Namen, Anschrift etc zum Zwecke der Marktforschung nutzt…muss ich ehrlich sagen, ist es mir das Wert. Mache, was dieses Beispiel betrifft, keine Verluste, und eher Gewinne.
      Liebe Grüße

  3. @Kai: Sie sind dann der beste ‘Kunde’/Nutzer. Sie sollten allerdings einmal solch ein Terminal aufsuchen, denn zumindest bei real können die gesammelten Punkte in Wertgutscheine eingetauscht werden und ohne Produktbindung beim nächsten Einkauf eingelöst werden. ;-)

    Tortzdem erschließt sich für mich persönlich der Sinn dieser Unternehmung nicht ganz, denn in meinem Falle möge mein Einkaufsverhalten nachverfolgt werden, jedoch beziehe ich keinerlei Werbung, ergo wird bei mir nichts personalisiert. Worin genau liegt hier bitte ein wirtschaftlicher Nutzen?

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