Der Soundtrack zum Datenschutz

Fachbeitrag

Auch wenn unser täglicher Umgang mit der Thematik sachlich nüchtern sein sollte – mit Musik (und der richtigen Wiedergabeliste) geht alles besser. Hier finden Sie eine Sammlung von Liedern zu Überwachung und Privatsphäre, quer durch die letzten 50 Jahre. Erstellen Sie sich Ihren eigenen Soundtrack zum Datenschutz.

Am Anfang war … Hessen

„I got an x-ray camera hidden in your house
That sees what I can’t see“
Jamo Thomas – I spy (for the FBI) (1966)

1970 verabschiedete Hessen das weltweit erste Datenschutzgesetz. David Bowie veröffentlichte im gleichen Jahr sein Album „The Man who Sold the World“? Auf diesem findet sich mit „Saviour Machine“ ein dystopisches Lied über die Probleme einer künstlichen Intelligenz mit der unvollkommenen Menschheit:

„Your minds are too green, I despise all I’ve seen
You can’t stake your lives on a saviour machine“
David Bowie – Saviour Machine (1970)

Vier Jahre später veröffentlichte Bowie „Diamond Dogs“. Es sollte eigentlich ein Konzeptalbum zu „1984“ von George Orwell werden, allerdings verweigerten die Erben ihre Zustimmung. Dennoch finden sich die Orwell geprägten Songs „1984“ und „Big Brother“ auf diesem Album.

Allerdings hatte sich Stevie Wonder schon zwei Jahre früher dem Thema angenommen.

„Your name is big brother, You say that you’re tired of me protesting“
Stevie Wonder – Big Brother (1972)

„Paranoia in der Straßenbahn“

Das Bundesdatenschutzgesetz wurde 1977 verabschiedet. Bis zum Anfang der achtziger Jahre folgten die Datenschutzgesetze in allen übrigen Bundesländern. In dieser Zeit häuften sich die Musikstücke, die sich mit den Risiken der digitalen Gesellschaft auseinandersetzten.

Gleich mit dem ersten Lied Ihrer Debut EP setzte die Hamburger Punkband Abwärts mit „Computerstaat“ ein Zeichen. Der Text entstand unter dem Eindruck der Rasterfahndung und des kalten Krieges. Stilsicher endet es auf: „Wir leben im Computerstaat.“ In Punkkreisen ist der Song bis heute so beliebt, dass die Toten Hosen sich 2012 genötigt sahen, sich mit einem Cover anzubiedern.

Computerwelt – Denn Zeit ist Geld

Während „Computerstaat“ damals wie heute nur einer kleinen Zielgruppe bekannt ist, brachten die Klangerzeuger von Kraftwerk 1981 mit „Computerwelt“ das ikonisch-elektronische Opus der frühen 80er Jahre heraus.

„Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard
Finanzamt und das BKA, haben unsere Daten da“
Kraftwerk – Computerwelt (1981)

Selten wurde die Sorge vor Verlust der eigenen Datenhoheit klarer in Worte gefasst. Auch wurden darin schon damals Entwicklungen wie Smart Home oder die Technisierung der Arbeit benannt.

Das Volkszählungsurteil 1983

Der Eckpfeiler des Datenschutzes wurde im Jahre 1983 durch das Bundesverfassungsgericht gelegt. In diesem Urteil wurde das Recht auf informationelle Selbstbestimmung etabliert, das aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Artikel 2 Absatz 1 Grundgesetz) und der Menschenwürde (Artikel 1 Absatz 1 Grundgesetz) abgeleitet wurde. Ab diesem Zeitpunkt stand unmissverständlich fest, dass Datenschutz ein Grundrecht ist.

Das „Orwell Jahr“ 1984.

Kein solches Jahr ohne Verfilmung des Buches. Den Titelsong zur recht buchgetreuen Verfilmung lieferten damals die Eurythmics. Damit gelangte das Thema sogar in die Charts.

„This wintery home, I know there’s always someone in“
Eurythmics – Sex Crime (1984)

Fun Fact: Mark Zuckerberg wurde ebenfalls im „Orwell Jahr“ in White Plains, New York geboren.

I’m the law and you can’t beat the law – Die 90er Jahre

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1983 war klar, dass die bisherigen Datenschutzgesetze innerhalb eines angemessenen Zeitraumes novelliert werden mussten. 1990 war auch der Bund soweit und setzte ein angepasstes Bundesdatenschutzgesetz um.

1991 veröffentlichte Metallica das „Black Album“. In „Don’t Tread on Me“ heißt es:

„Shining with brightness, always on surveillance
The eyes, they never close, emblem of vigilance
Woo, no, no, no… don’t tread on me“

Keine 19 Jahre später adoptierten „Tea Party“ Aktivisten das Motto, welches auf die sogenannte „Gladsten Flag“ im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zurückgeht. Seit dem ist Metallica auch in erzkonservativen Playlisten vertreten.

Die 90er waren das Jahrzehnt, in dem die Digitalisierung das Arbeitsleben durchgängig durchdrang.

„I bought the thing – I taught the thing – And I fought the thing“
Faith no more – Naked In Front Of The Computer (1997)

Ich und mein Computer…  das 21. Jahrhundert

Der digitale Begleiter wurde zunehmend in der Musik reflektiert. Die deutsche Philosophenvereinigung Deichkind nutzte 2008 bei „Ich und mein Computer – Wir waren mal ein Team“ bewusst das Präteritum. Aber auch der gesellschaftliche Umgang mit den sogenannten „sozialen“ Netzwerken wurde Inhalt.

„If I can’t show it, if you can’t see me, What’s the point of doing anything?“
St. Vincent – Digital witness (2014)

And if you don´t stand up for it, than who will?

Nachdem Edward Snowden 2013 die weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten enthüllte wurde auch er musikalisch thematisiert.
Jean-Michel Jarre arbeitete für „Exit“ im Jahr 2016 mit Snowden zusammen. Elektronische Musik unterlegt mit eindringlichen Sprachsamples aus Interviews.

„und oben auf’m Dachboden steht ein Bett für Edward Snowden“
Fettes Brot – Mein Haus (2015)

Im Soundtrack für den Film „Snowden“ von Oliver Stone findet sich auch das Stück „The Veil“ das Peter Gabriel extra für den Film komponiert hat. Gabriel hatte ja schon zum Beginn seiner Kariere engagiert gezeigt und mit „Biko“ einen Song über einen Aktivisten und Freiheitskämpfer geschrieben.

Mach mal lauter – das ist nicht hart genug

Das ist Ihnen alles zu lasch, zu Mainstream? Wie wäre Homo Iratus  – Protection Through Surveillance? Ein bisschen unfreundlicher Deathcore aus Thessaloniki. Der Titel spricht für sich und Textzitate sind wegen des charakteristischen Deathcore-„Gesangs“ obsolet. Außerdem: 132 Klicks in zwei Jahren YouTube – werden Sie zum Trendsetter!

What a wonderful world this may be

Der etwas andere Blick auf das Ringen zwischen Datenschutz und Überwachung hat Ihnen hoffentlich gefallen. Wenn Ihnen Songs fehlen, nutzen Sie gerne unsere Kommentarfunktion.

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4 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Sehr schöne Liste. Es fehlt aber ein Klassiker: „Every Breath You Take“ von Police. Weltweit als ein Liebeslied angenommen, wurde es von Sting nach seiner eigenen Aussage als ein unheimliches Lied über Überwachungsstaat geschrieben.

  2. Moop Mama – Paranoia
    „Von Häuserfassaden und Litfaßsäulen
    Hinter Werbeplakaten an grauen Rückgebäuden
    Spürst du wie dich Blicke streifen
    Jeden Schritt verfolgen dich beäugen
    Magnetfelder und Kameralinsen
    Bewegungsmelder Augen die niemals blinzeln…“

  3. Ein Song fehlt auf jeden Fall:
    „You think you’ve private lives
    Think nothing of the kind
    There is no true escape
    I’m watching all the time“
    Judas Priest – Electric Eye in 1982.

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