Free Your Data – Das Daten-Transparenz-Kontrolle-API-Gesetz

free-your-data
News

Ali Jelveh, Mitgründer und Geschäftsführer der Protonet GmbH, möchte mit dem Projekt “Free Your Data” den Menschen die Macht über ihre eigenen Daten wieder zurückgeben. Wir haben mit dem Initiator des Projekts über das ambitionierte Vorhaben gesprochen.

We are 100% tracked, 100% predicted and 100% sold to an industry worth over US $150 billion

Ziel der Initiative „Free Your Data“ ist es, mehr Transparenz im Umgang mit personenbezogenen Daten zu verschaffen. Die aktuelle konkrete Forderung lautet: Der Zugriff auf die eigenen Daten bei einem Dienstleister (sei es Mobilfunkunternehmen, soziales Netzwerk oder Onlineshop) soll kostenlos, in Echtzeit und in einem maschinenlesbaren Format möglich sein.

Kurzgefasst: Jeder Bürger soll wissen, was große Unternehmen über ihn gespeichert haben – auf eine zeitgemäße Art und Weise.

Zudem sollte jeder Bürger die Möglichkeit erhalten, mit eigenen Daten zu handeln, um damit gegebenenfalls Profit zu schlagen. Den Bürgern soll die Kontrolle über eigenen Daten wieder zurückgegeben werden.

Interview

Die Forderung Ihres Projekts „Free Your Data“ lautet: Ein neues Transparenzgesetz muss her! Aktuell haben die Verbraucher und Bürger nach dem Bundesdatenschutzgesetz sowohl einen Auskunfts- als auch einen Löschungsanspruch. Zudem ist der Grundsatz der Transparenz gesetzlich verankert. Was soll neu geregelt werden und wen würde das neue Gesetz vor allem betreffen?

Ali Jelveh: Die neue Forderung würde dafür sorgen, dass der Auskunftsanspruch im 21. Jahrhundert ankommt und zeitgemäß umgesetzt wird. Die aktuellen gesetzlichen Regelungen basieren auf den Eckdaten einer Zeit, in der zum einen Daten nur in geringen Maßen erhoben wurden und zweitens das Internet und die damit einhergehenden Kommunikationsmöglichkeiten nicht existierten.

Was bedeutet unsere Forderung also konkret? Dass große Unternehmen (mit mehr als 1 Millionen wiederkehrenden Nutzern/Kunden) ihren Usern eine Echtzeitschnittstelle zu ihren persönlichen Daten zur Verfügung stellen müssen. Die Zahl der User ist absichtlich so hoch gewählt um zu gewährleisten, dass kleinere Unternehmen keinen zusätzlichen Aufwand stemmen müssen. Große Unternehmen müssen hingegen ihrer Marktmacht entsprechend ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung für Transparenz nachkommen.

Euer Bestreben ist es, dass der Auskunftsanspruch gemäß § 34 BDSG im 21. Jahrhundert ankommen soll. Wie soll die technische Umsetzung bei den Unternehmen konkret aussehen (API, Identifizierung von Auskunftsersuchenden)? Welche Kosten werden auf den Unternehmen zukommen?

Ali Jelveh: Wenn wir von API sprechen, dann denken wir an modernen Konstrukte wie sie auch beim Onlinebanking oder Mobilanwendungen genutzt werden. Also bei Kanälen, die es einem Unternehmen ermöglichen, per Push-Nachricht einen Datenzugriff oder eine Datenaufnahme zu kommunizieren. Das sind Technologien, mit denen Unternehmen dieser Größenordnung meist sehr vertraut sind. Firmen, die ihren Usern eine Mobile App anbieten, haben in der Regel bereits eine API. Unternehmen mit einer Business Intelligence Abteilung haben meist einen unternehmensweiten Messaging- beziehungsweise Datenbus und greifen dort bereits heute Userdaten ab. Jetzt gilt es nur noch, diese Informationen dem Nutzer zur Verfügung zu stellen. Ich bin davon überzeugt, dass relativ schnell für genau diese Art von Anwendung Firmen in Europa “Appliances” bauen werden, die Unternehmen sehr kosteneffizient diese Arbeiten abnehmen werden und deutlich kosteneffizienter sein werden als – wie heute in vielen Unternehmen üblich – eine oder mehrere Personen nur zur Abarbeitung der BDSG-Anfragen abzustellen. Die Identifizierung ist hier natürlich eine Herausforderung, die wir im so genannten “Digitalen Zeitalter” aber so oder so lösen müssen und für die es bereits heute viele funktionierende Systeme gibt. Oder sie befinden sich bereits in der Entwicklung wie zum Beispiel Post-Ident, E-Perso, Mehrfaktorenauthentifizierungen und schlüsselbasierte Datenaustauschmechanismen.

Es leuchtet ein, dass das Thema bei den Verbrauchern auf ein sehr großes Interesse und Zustimmung stößt. Immerhin haben innerhalb von einer kurzen Zeit über 50.000 Bürger die Petition im Internet unterschrieben. Würde das neue Transparenzgesetz auch Vorteile für Unternehmen mit sich bringen oder nur eine zusätzliche finanzielle Belastung darstellen?

Ali Jelveh: Letztendlich wird diese Automatisierung zu deutlichen Kosteneinsparung führen und eine Klarheit in der BDSG-Regelung mit sich bringen.

Darüber hinaus hat der transparente Umgang mit Kundendaten aber auch noch weitere Vorteile:

Er bietet Unternehmen ein Mittel, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Ein wichtiger USP, der auf das Image des Unternehmens einzahlen wird. Sobald mein digitaler Fußabdruck durch dieses Gesetz zu etwas unmittelbar Wahrnehmbaren wird, kann und wird der gute Umgang mit meinen Daten zu einem wichtigen Entscheidungskriterium, wessen Kunde ich sein möchte – und bei wem ich eben nicht mehr kaufen möchte. Es bietet Unternehmen wie Verbrauchern zudem die Möglichkeit, dass wir uns gemeinsam in Europa und Deutschland abseits von mehr Datenschutz oder gar Datensparsamkeit, an den persönlich auch gar nicht glaube, einen ganz neuen Weg aufzuzeigen. Der offene transparente Zugang zu meinen Daten bedeutet natürlich auch eine Schwächung von Monopolmächten in der Digitalwirtschaft. Wenn ich diesen offenen Zugang erhalte, kann ich meine Daten nämlich auch einfacher einem neuen, kleinerem Anbieter zugänglich machen und so Marktbewegungen begünstigen, die so zu mehr Vielfalt führen. Alles in allem würde ich sagen: kleiner Aufwand, immenser Zugewinn für alle Beteiligten.

Wäre eine Kooperation mit Correct!v, Frag den Staat und gegebenenfalls auch Abgeordnetenwatch möglich und sinnvoll? Meines Erachtens ist das Ziel all dieser Projekte, mehr Transparenz zu schaffen.

Ali Jelveh: Viele dieser Projekte arbeiten (hauptsächlich) daran, mehr Transparenz in staatliche Institutionen zu bringen. Wir haben für unsere Initiative einen klaren Fokus: Zugang zu unseren Daten bei den großen Marktplayern – viele davon sind mittlerweile so groß, dass sie finanzstärker sind als so manches Land. Die Forderung der Free Your Data-Initiative wird mittlerweile von den netzpolitischen Sprechern aller im Bundestag vertretenen Parteien unterstützt.

Und: natürlich steht in unserer Wunschwelt der Staat diesen Unternehmen in ihrer Datentransparenz in nichts nach.

Unabhängig davon haben wir bereits mit vielen von diesen und ähnlichen Initiativen Kontakt aufgenommen, denn natürlich können wir nur gemeinsam wirklich einen Unterschied bewirken – und das ist das klare Ziel der Free Your Data-Initiative.

Wie können unsere Leser das Projekt Free Your Data unterstützen?

Ali Jelveh: Oh, da gibt es gleich eine Reihe von Möglichkeiten:

Die Liste ist natürlich deutlich länger, das wäre aber ein guter erster Schritt in Richtung Datenhoheit, über den wir uns sehr freuen würden.

Wir sagen vielen Dank und viel Erfolg! Wir werden unsere Leser über die Entwicklung des Projekts auf dem Laufenden halten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Die von Ihnen verfassten Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern erst nach Prüfung und Freigabe durch unseren Administrator. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und unsere Datenschutzerklärung.