KFZ-Versicherung: Rabatt bei Rundum-Überwachung

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Bisher berechnen Versicherungen ihre KFZ-Versicherungstarife anhand von statistischen Werten. KFZ-Halter zahlen mehr, wenn Besitzer desselben Autotyps häufig an Verkehrsunfällen beteiligt sind. Der Versicherungsnehmer muss folglich für das Fehlverhalten anderer mitzahlen. Das eigene Fahrverhalten wird bei der Berechnung des Tarifs bisher nicht berücksichtigt. Was für besonders wagemutige Fahrer ein Vorteil ist, ist für die Besonneneren ein Nachteil.

Weniger zahlen, dafür mehr Daten

Heise berichtet über einen neuen Tarif der Sparkassen-Direktversicherung, bei dem das individuelle Fahrverhalten berücksichtigt werden soll. Die Einstufung erfolgt nicht durch einen vorherigen Test des Fahrers oder seine eigene Unfallstatistik, sondern durch die Messdaten einer GPS-Blackbox.

Hard- und Software werden von der Telefónica Insurance Telematics gestellt. Das System wird mit Beschleunigungssensoren, GPS-Antenne, GSM-Modul, Mikrofon, Lautsprecher, eigene Stromversorgung, Peripherie des Autos verbunden.

Die von der Blackbox erfassten Daten werden über eine Internetverbindung an die Telefónica Cloud übermittelt, in der die Daten unter einer User ID gesammelt und ausgewertet werden. Eine Zuordnung der User ID zu dem Versicherungsnehmer kann nach Angaben der Sparkassen Direktversicherung nur die Versicherung selbst vornehmen.

Ein Monat gratis für den sichersten Fahrer

Das System ermittelt monatlich einen Gesamtscore. Dieser wird zusammen mit der ID und den gefahrenen Kilometern an den Versicherer übermittelt wird. Der Geasamtscore setzt sich zusammen aus:

  • 40 % Fahrweise (starkes Beschleunigen/ Bremsen)
  • 30 % Geschwindigkeit (Überschreitung der vorgegebenen Geschwindigkeit)
  • 20 % Nachtfahrten (zwischen 23 bis 6 Uhr)
  • 10 % Stadtfahrt

Der Gesamtscore ist entscheidend für die Höhe des Versicherungsbeitrags. Zudem gibt es monatlich für den Versicherungsnehmer mit dem besten Wert einen kostenlosen Versicherungsschutz. Der Versicherungsnehmer hat die Möglichkeit, seinen aktuellen Score per App oder über die Kundenseite der Telefónica abzurufen. Daneben werden die gefahrenen Strecken für 18 Monate zum Abruf bereitgehalten.

Viele offene Fragen

Aus Sicht eines Datenschützers ist ein solcher Tarif äußerst bedenklich.

  • Zunächst wäre da die Frage, welche Daten werden erfasst?
  • Warum ist ein Mikrofon notwendig? Werden beispielsweise Gespräche ebenfalls aufgezeichnet, um nachvollziehen zu können, ob der Fahrer abgelenkt war?
  • Werden Daten verschlüsselt übermittelt und gespeichert?
  • Versicherungsnehmer und Fahrer von einem Auto sind nicht zwingend ein und dieselbe Person. Auf welcher Grundlage werden die Daten dieser Fahrer erfasst und weitergeleitet?

Spionieren leicht gemacht

Zudem ist die Gefahr groß, dass die Daten auch zu anderen Zwecken ausgewertet werden. So könnte ein Unternehmen genau nachvollziehen, wann sich ein Mitarbeiter wo befunden hat. Auch der untreue Ehepartner lässt sich mit Hilfe der aufgezeichneten Fahrtstrecken leichter enttarnen.

Daten, die gesammelt werden, wecken auch immer Begehrlichkeiten. Es ist daher genau abzuwägen, ob die Vergünstigung die Preisgabe der Daten wirklich wert ist oder ob es sich doch um eine Milchmädchenrechnung handelt.

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Ein Kommentar zu diesem Beitrag

  1. Aus Sicht eines “Datenschützers” ist soetwas nicht nur “äußerst bedenklich” sondern ein Super-GAU. Es ist einfach Totalüberwachung, nur dass das (Live-)Bild noch fehlt. Aber das bekommt man ja über Facebook, Google und Co. Leider aber wird sich der geneigte Nutzer auch wieder zu solchen Schandtaten hinziehen lassen, da er ja ein paar Cent spart. Dem geneigten Nutzer ist aber nicht klar, was alles aus diesen gewonnen Daten ausgewertet kann und welche Profile erstellt werden.

    … Manchmal kann man gar nicht so viel essen, wie man ko..en möchte…

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