Löschen mit Facebook: Die irreführende Werbekampagne

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Aufmerksamen Passanten sind vermutlich die zahlreichen Plakate aufgefallen, auf denen Facebook den Schutz der Privatsphäre thematisiert. Das soziale Netzwerk hat hierzulande ein Imageproblem und versucht mit einer millionenschweren Werbekampagne gegenzusteuern. Ein Plakat ist besonders kritisch zu sehen.

Löschen und verschwunden – Wirklich?

Der Plakattext liest sich wie folgt:

„ICH HABE MAL ETWAS GEPOSTET, WAS ICH NIE, NIE, NIE HÄTTE TEILEN SOLLEN.

Lösche es und es ist verschwunden.“

Diese Aussage dürfte durchaus verwundern. Bekannt ist, dass der österreichische Jurist und Datenschützer Max Schrems auf sein Auskunftbegehren einen Datensatz erhielt, in dem auch eigentlich „gelöschte“ Daten aufgeführt waren. Demnach müsste Facebook mittlerweile seine Praxis grundlegend umgestellt haben. Aber auch abseits der Glaubwürdigkeit von Facebook stellt sich die Frage, ob Daten tatsächlich vollständig aus dem Netz gelöscht werden können.

Wie Facebook „Löschen“ definiert

Da „Löschen“ kein einheitlich festgelegter Prozess ist, kann das Verständnis hierzu auseinanderfallen. Der Plakat-Betrachter ohne technisches Hintergrundwissen wird jedoch davon ausgehen, die gelöschten Inhalte seien vollständig aus dem Netz entfernt worden. Dass dem nicht immer so ist, zeigt bereits ein Blick in den Facebook-Hilfe-Bereich.

Hier wird schnell klar, dass „Löschen“ auch innerhalb von Facebook durchaus unterschiedliche Bedeutungen haben kann:

„Wenn du etwas, das du auf Facebook geteilt hast, löschst, entfernen wir es von der Seite. Ein Teil dieser Informationen wird dauerhaft von unseren Servern gelöscht; einige Dinge können jedoch nur gelöscht werden, wenn du dein Konto dauerhaft löschst.“

„Wenn du dein Konto löschst, können es andere auf Facebook nicht sehen. Es kann vom Beginn des Löschvorgangs an bis zu 90 Tage dauern, alle deine geposteten Beiträge zu löschen (…). Einige Informationen von dir auf Facebook werden jedoch nicht in deinem Konto gespeichert. Beispielsweise kann ein/e FreundIn unter Umständen noch immer Nachrichten von dir sehen, auch nachdem du dein Konto gelöscht hast. Solche Informationen bleiben auch noch nach der Löschung deines Kontos erhalten.“

Fazit: Bereits nach den eigenen Facebook-Angaben kann der Aussage auf dem Werbeplakat nicht zugestimmt werden. Auch hier scheint durch, dass es nicht möglich ist, alle Inhalte aus dem Netz zu entfernen.

Was das Plakat nicht erwähnt…

Unabhängig davon, wie nun Facebook „Löschen“ definiert, können sich die Informationen bereits auf anderem Wege im Netz verbreitet haben. Das Plakat spart aus, dass:

  • Nachrichten und E-Mails beim Empfänger verbleiben und dort nicht gelöscht werden können
  • Bilder heruntergeladen werden können
  • Screenshots von Kommentaren und Bildern einfach erstellt werden können

Auch hier stimmt die auf dem Werbeplakat skizzierte Szene nicht. Selbst wenn die Daten vom Facebook-Server entfernt wurden, können diese ohne Wissen des Betroffenen an anderen Stellen noch vorhanden sein.

Was bedeutet „Löschen“ in der Praxis?

Grundsätzlich stellt sich hier die Frage, was „Löschen“ bedeutet. Im Bundesdatenschutzgesetz ist das Löschen von Daten in § 3 Abs. 4  Nr. 5 definiert. Demnach bedeutet Löschen das Unkenntlichmachen gespeicherter personenbezogener Daten. Ausschlaggebend ist dabei, dass die Daten nicht wiederhergestellt werden können. Dies ist in der Praxis aber gar nicht so einfach umzusetzen. Übersichten zum Thema Datenlöschungen finden sich auf der Seite des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI):

Was einmal im Netz ist, bleibt im Netz!

Sicher kann man Facebook zugestehen, dass sich durch diverse Kontoeinstellungen die Privatsphäre in einem gewissen Rahmen schützen lässt. Grundsätzlich bleibt es jedem Nutzer selbst überlassen, welche Informationen und Bilder er mit der Allgemeinheit teilen möchte und wie freizügig die Präsentation im Internet ausfällt. Kritisch wird es allerdings, wenn die Plakate etwas suggerieren, was faktisch nicht umsetzbar ist. Der Aussage „Lösche es und es ist verschwunden“ kann jedenfalls nicht uneingeschränkt zugestimmt werden. Nutzer sollten sich daher immer genau überlegen, welche Inhalte gepostet werden.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Privates auf Facebook ohnehin niemals. Politische Äußerungen? Nicht mehr, seit Facebook IM Viktoria Kahane und ihre dubiose Stiftung beschäftigt. Wir hatten bis mitte 2015 jährlich Werbeausgaben auf Facebook von ca. €3.000,–. Mit bekanntwerden der Zensur auf Facebook wurde dies auf €0,0 heruntergefahren und wird auch nicht wieder aufgenommen. Keine Terminankündigungen mehr, keine Gespräche mit Kunden und Freunden – Facebook ist für uns als Zensurplattform erledigt, endgültig!

  2. „Lösche es und es ist verschwunden“ – Verschwunden, aber nicht weg. Eine Rückholleine bzw. eine sich selbst zerstörende Veröffentlichung (solange es noch niemand fotografiert hat) ist das alles nicht.

    Der Beitrag zeigt sehr schön, dass Plattformbetreiber den Löschvorgang in mehrere Kaskaden aufteilen können.

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