Newsletter mit einem Klick abbestellen – Muss das sein?

Fachbeitrag

Nur mit einem Klick soll der Kunde den Newsletter abbestellen können – so die überwiegende Ansicht in der Praxis. Doch wird die One-Klick-Lösung in allen Konstellationen dem Nutzerwillen gerecht?

Praxis fordert One-Klick

In Veröffentlichungen aus dem Bereich Marketing liest man immer wieder, dass die Abbestellung eines Newsletters mit nur einem Klick möglich sein muss. Exemplarisch dazu etwa die eco Richtlinie für zulässiges E-Mail-Marketing, 5. Aufl. 2014:

„Der beste, weil nutzerfreundlichste Weg ist die Integration eines Abbestell-Links in jede versendete E-Mail. Dieser Link befindet sich in den meisten Fällen ganz unten in der Mail. (…) Jede gute E-Mail-Marketing-Software bietet eine entsprechende Funktionalität, die sicherstellt, dass jeder Nutzer, der auf diesen Link klickt, automatisch keine weiteren E-Mails mehr erhält.“

Hingegen sei ein „Double Opt-out“ dem Nutzer nicht zumutbar. Noch verpönter soll die Notwendigkeit sein, sich zunächst bei seinem Benutzerkonto anzumelden, um in einem weiteren Schritt das Häkchen für die Bestellung des Newsletters zu entfernen.

Doch wird die One-Klick-Lösung allen Fallkonstellationen gerecht? Statt pauschal die One-Klick-Lösung zu fordern, tut eine differenzierte Betrachtung not:

Auf den Nutzerwillen kommt es an

Angenommen ein Nutzer unterhält ein Nutzerkonto mit der Möglichkeit, zu unterschiedlichen Produkten jeweils spezielle Newsletters zu bestellen. Seine Einwilligung kann der Nutzer differenziert durch das jeweilige Setzen eines Häkchens erklären, je nachdem welche Newsletters ihn zu bestimmten Produkten interessieren.

Die One-Klick-Lösung wäre hier nicht sachgerecht. Denn die Abbestellung des Newsletters hätte zur Folge, dass der Nutzer überhaupt kein Newsletter mehr erhält, obwohl er womöglich nur einen ganz bestimmten Newsletter nicht mehr lesen will, andere aber weiterhin sehr wohl. Nicht zuletzt passt hier die One-Klick-Lösung auch deshalb nicht, weil das Unternehmen auf Grund der Löschungspflicht gleich sämtliche Daten des Nutzers verlöre und nicht nur diejenigen Daten, die im Zusammenhang mit der Abbestellung eines bestimmten Newsletters gespeichert wurden.

Newsletterverwaltung

In dieser Konstellation sollte man besser von Newsletterverwaltung und nicht von Newsletterabbestellung sprechen. In Fällen einer differenzierten Erklärung der Einwilligung für spezifische Newsletters ist es daher richtig, den Nutzer bei der Abbestellung eines spezifischen Newsletters aufzufordern, sich in dessen Nutzerkonto anzumelden und die entsprechenden Häkchen selbst zu entfernen.

Dazu ist mehr als One-Klick notwendig, nämlich eine Newsletterverwaltung.

Denn schließlich bestehen keine Zweifel, dass es dem Betroffenen frei stehen muss, die Reichweite seines Widerrufs selbst zu bestimmen.

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  • Datenschutzkonformes E-Mail-Marketing (Newsletter-Versand)
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  • Bearbeitung etwaiger Widersprüche gegen Werbesendungen

Informieren Sie sich hier über unser Leistungsspektrum: Newsletter und E-Mail-Marketing

6 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Die Newsletter-Verwaltung kann ein Mittel sein, eine Alternative zur einfachen Abbestellung am Ende einer Werbesendung ist sie nicht. Hier weis der Kunde genau, was er nicht mehr will und äußert dies. Ihn wegen möglicher andersartiger Newsletter nur auf eine komplexe Verwaltung zu verweisen wäre nicht sachgerecht

    • meines Erachtens wäre es am besten, dem Kunden parallel zweit Möglichkeiten zu bieten: One-Klick zur Abbestellung aller Newsletters, alternativ Newsletter-Verwaltung zur differenzierten Abbestellung. Dann kann der Kunde entscheiden, was er (nicht) will.

  2. Der Empfänger widerruft seine Einwilligung mit diesem Klick. Ihn dann noch durch diverse Reifen springen zu lassen, sorgt am Ende nur dazu, dass der Empfänger lieber den „Spam“ Button betätigt, was dem Werbetreibenden mehr schadet, als ggf. verlorenes Potential. Zusätzlich gibt es seit neustem den neuen Internetstandard RFC8058, der den One-Klick definiert. Viele Große Mailboxprovider sind da mit an Bord.
    Disclaimer: ich arbeite hauptberuflich in diesem Bereich

    • Vielen Dank für den Hinweis auf den neuen Internetstandard RFC8058 und Ihre Einschätzung. Sie haben recht, es ist eine gewisse Gratwanderung. Andererseits ist auch die Perspektive des Marketing verständlich, das nicht gerne gleich alle Daten eines Kunden verlieren möchte.

  3. Natürlich ist der Einsatz einer Newsletterverwaltung zulässig. One Click ist schon deshalb nicht erforderlich, weil ein Widerruf der Einwilligung (bzw. Widerspruch bei Versand ohne Einwilligung) überhaupt nicht per Klick möglich sein muss, sondern auch anders erklärt werden kann.

    In der Praxis ist es nur wichtig, bei einer wie auch immer ausgestalteten Klick-Lösung auf die korrekte Wortwahl zu achten. Wenn am Ende der E-Mail ein Link enthalten ist, der vom Empfänger so zu verstehen ist, dass er alleine mit dem Klick auf den Link schon einen Widerspruch erklärt, muss dies technisch eben auch als sofortiger (One Click) Wiederspruch abgearbeitet werden. Schließlich liegt dann mit diesem Klick schon eine zu beachtende Willenserklärung vor.

    Will ich (nur) auf eine Newsletterverwaltung verlinken, muss das eben aus dem Link und dem einleitenden Text deutlich werden. Dann stellt der Klick auf diesen Link auch keinen irgendwie beachtlichen Widerspruch dar.

    Wer Bedenken hat, kann zusätzlich zu dem Link noch auf den Widerspruch per formloser Mail hinweisen, was dann in der Regel auch nicht genutzt wird, da die Newsletterverwaltung einfacher zu nutzen ist.

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