Schwimmverein: Wenn der Datenschutz baden geht

News

Wer in Fürstenfeldbruck schwimmen lernen will, sollte neben der Liebe zum Wasser auch Spaß daran haben, als Fotomodell für diverse Aufnahmen zur Verfügung zu stehen. Was nun Schwimmen mit Modeln zu tun hat, und wieso das Wort „Datenschutz“ für den Schwimmverein ein Fremdwort zu sein scheint, darüber klärt der Artikel der bayerischen Zeitung Merkur auf.

Ohne Foto kein Schwimmunterricht – ist klar

Laut Artikel sei die Teilnahme an einem Schwimmkurs nur möglich, wenn man neben der Unterschrift auf dem Anmeldeformular auch gleichzeitig das Einverständnis in die Aufnahmen und Veröffentlichung von Fotos im Internet und auf Facebook erteile.

Verständlicherweise ist diese Klausel einer Mutter negativ aufgefallen. Sie war nicht damit einverstanden, dass ihr Kind in Schwimmkleidung fotografiert und diese Bilder dann über das Internet einen unüberschaubaren Personenkreis zugänglich gemacht werden.

Was absolut nachvollziehbar klingt, scheint dem Vorstand des Vereins nicht einzuleuchten. Die fast schon ironisch / lustig anmutende Stellungnahme zur Erforderlichkeit der Einwilligung:

„Wir schützen uns mit dieser Maßnahme vor Klagen. Vor allem aber sei der Aufwand für Trainer und Betreuer zu groß, wenn ständig darauf geachtet werden müsse, welches Kind fotografiert werden dürfe und welches nicht.“

Kurze Nachhilfe im Datenschutz

Hinweis 1:

Datenschutz ist ein Grundrecht. Das bedeutet, dass jeder selbst über die Verwendung seiner personenbezogenen Daten bestimmen darf. Fotos sind personenbezogene Daten. Es gilt der Grundsatz des Verbots mit Erlaubnisvorbehalts. Ich darf personenbezogene Daten nur verarbeiten, wenn ich eine gesetzliche Erlaubnis oder eine Einwilligung habe. Da beim regulären Schwimmunterricht die Ausnahmen des KUG kaum Anwendung findet dürften, dürfte immer eine Einwilligung für die Aufnahme und Veröffentlichung von Fotos erforderlich sein.

Hinweis 2:

Eine Einwilligung ist nur rechtlich wirksam, wenn sie informiert, freiwillig, für den konkreten Fall erfolgt und jederzeit widerrufbar ist. Eine Generaleinwilligung, in der jegliche Nutzungsrechte an jeglichen Bildern übertragen werden, dürfte damit datenschutzrechtlich schon gar keine Wirkung entfalten.

Hinweis 3:

Nach der Datenschutz-Grundverordnung gilt das Kopplungsvebot. Das bedeutet, ich darf den Abschluss eines Vertrages nicht von einer Einwilligung abhängig machen. Also: die Teilnahme am Schwimmunterricht muss auch ohne die Einwilligung in die Veröffentlichung personenbezogener Daten möglich sein.

Hinweis 4:

Wenn Fotos nur aufgrund einer wirksamen Einwilligung gemacht werden, muss ich auch keine Angst vor Klagen haben.

Hinweis 5:

Wenn Trainer und Betreuer nicht mehr so viel fotografieren, wäre dann nicht auch der Aufwand für die Trainer geringer, zu unterscheiden wer nun eingewilligt hat, und wer nicht? – Naja, da steckt man nicht drinnen.

Datenschutz gilt auch im Verein

Natürlich ist nachvollziehbar, dass ein Verein von Mitgliedsbeiträgen lebt und damit die Außendarstellung sehr wichtig ist. Ebenfalls verständlich ist, dass Fotos das Vereinsleben abbilden und damit auch zum Vereinswesen dazugehören. Dennoch ist das Datenschutzrecht auch für den Verein verpflichtend. Was zu beachten ist, kann bei der Aufsichtsbehörde Baden-Württemberg zum Datenschutz im Verein nachgelesen werden.

Auch hier wird das grundsätzliche Interesse an der Veröffentlichung personenbezogener Daten von Vereinsmitgliedern anerkannt. Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass für Veröffentlichungen im Internet ein strengerer Maßstab gilt. Wenn Fotos im Internet geteilt werden, sind sie einen unüberschaubaren und nicht weiter eingrenzbaren Personenkreis zugänglich. Weder der Verein, noch die Betroffenen Person kann kontrollieren, was mit den Bildern geschieht. Eine Veröffentlichung muss daher auf einer (freiwilligen und konkreten) Einwilligung basieren.

intersoft consulting services AG

Als Experten für Datenschutz, IT-Sicherheit und IT-Forensik beraten wir deutschlandweit Unternehmen. Informieren Sie sich hier über unser Leistungsspektrum:

Externer Datenschutzbeauftragter

6 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Als ehrenamtlich Tätiger kann ich beide Seiten verstehen.
    Wenn sich Trainer bei ihrer freiwilligen Ausübung neben ihrer normalen Arbeitszeit, noch mit Dingen wie Datenschutz beschäftigen müssen, werden die Vereine bald keine Freiwilligen haben die Kinder und Jugendliche unentgeltlich trainieren.
    Ich bin gespannt auf den Aufschrei, wenn dann auf einmal der Mitgliedsbeitrag nicht mehr 50€ im Jahr sondern 240€ im Jahr lauten müsste um alle von Eltern geforderten Bedingungen zu erfüllen. Die Gesellschaft sieht den Verein nicht mehr als Verein, sondern nur noch als Dienstleister, dann sollen auch dementsprechende Beiträge gezahlt werden. Solange aber ehrenamtliche diese Tätigkeiten verrichten müssen Vereine zu solchen Maßnahmen greifen damit die Arbeitsbelastung nicht noch höher wird.

    • Der Verzicht darauf, Kinderfotos in Schwimmkleidung im Internet zu veröffentlichen, dürfte dem Verein aber nicht so hohe Einbußen bringen. Da müsste er schon sehr spezielle Fans und Foren haben. Die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages um das ca. 5-fache kenne ich allerdings aus der Preisliste so manch´ eines Sportvereinszentrum in Baden-Württemberg. Wie sagte unser WLSB Präsident so schön: „Vereine sind keine Bittsteller“ – dementsprechende Vereinsheime mit zu hohen Unterhaltskosten werden hier gebaut. Auch der Vortragstitel „Töpfe und Oasen sind zum Wohlfühlen da – Zuschüsse und wie man sie beantragt“ (WLSB Vortrag im SpOrt Stuttgart, 24. April 2018) zeigt, daß überzogenes Anspruchdenken nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch längst in den Vereinen verankert ist. Aus Baden-Württemberg grüßt Sie herzlich und namentlich, Markus Götz

      • Sehr geehrter Herr Götz, ich fechte hier auch nicht den Grundgedanken des Datenschutzes an. Aufklärungsarbeit durch die Verbände ist hier dringend von Nöten, sowie pragmatische Lösungsansätze.
        Auch ein WLSB Präsident ist, wie es so schön heißt, weit weg von der Basis, natürlich ist der Verein kein Bittsteller. Das Anspruchsdenken ist mit Sicherheit nicht verankert, sondern dringend notwendig, gerade weil die Ansprüche durch die Gesellschaft gestiegen sind, diese sich aber nicht in den Mitgliedsbeiträgen widerspiegeln.
        Sonnige Grüße aus dem Süden von Baden-Württemberg,

  2. Viele Vereine haben sich nichts ansatzweise Gedanken um den Datenschutz gemacht. Dass dieser für sie genau so gilt wie für jedes Unternehmen, wissen die oft ehrenamtlich tätigen Leiter gar nicht. Aufklärungsarbeit ist dringend erforderlich. Auch deshalb haben die Verfasser der neuen Vorschriften dies den Aufsichtsbehörden ins „Pflichtenheft“ geschrieben. Leider gilt dies in großem Maße auch für die kleinen und mittelständischen Betriebe. Wegen der DSGVO den Datenschutz als „neu“ zu verkaufen, ist auch so eine Farce. Das alte BDSG wurde nur nicht genügend durchgesetzt. Hoffentlich ändert sich das mit der DSGVO und dem neuen BDSG.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Die von Ihnen verfassten Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern erst nach Prüfung und Freigabe durch unseren Administrator. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und unsere Datenschutzerklärung.