Social Credibility System: Gläserner Bürger in China bald Realität?

Fachbeitrag

Sie kennen das sicherlich: Die Handlung mancher Bücher ist so phantastisch, dass man sich nicht vorstellen kann, dass der Inhalt zu Realität wird. Dann gibt es Bücher, die ebenfalls phantastisch wirken, bei denen man nicht ausschließen will, dass Science-Fiction zur Realität wird. Man geht aber davon aus, dass es jedenfalls noch dauern wird. So erging es mir beim Lesen des Buchs: „Zero – Sie wissen, was Du tust“ von Marc Elsberg. Nun stelle ich aber fest, dass Elsberg`s Fiktion möglicherweise doch viel schneller zu Realität wird als vermutet, denn China plant offenbar für alle seine Bürger die Einführung eines Social Credibility Systems.

Social Credibility System

China ist im offenbar im Begriff ein „Social Credibility System“ aufzubauen. Dies kann z.B. dem aktuellen Fünf-Jahres-Plan entnommen werden. Auf Seite 201 findet sich in Chapter 71 folgendes:

„With the aim of increasing integrity in all areas of society, we will work faster to develop credibility sytems relating to key areas such as government administrative integrity, commercial and business integrity, social integrity, and judical credibilty, promote credit information sharing, and improve incentive and penalty mechanisms.“

Wie der Begrifflichkeit „Social Credibility“ – grob übersetzt: „Soziale Kreditwürdigkeit“ – entnommen werden kann, geht es offenbar um ein Scoring der eigenen Bürger; also einer Bewertung des Einzelnen.

Was genau geplant ist, kann der Formulierung allerdings nicht entnommen werden. Interessant ist aber jedenfalls, dass auch „social integrity“ bewertet werden soll. Dies kann dahingehend verstanden, dass auch das Sozialverhalten des Einzelnen in die Bewertung einfließen soll.

Folgen für die Bürger

Flächendeckend ist ein staatlich organisiertes „Social Credibility System“ wohl noch nicht eingeführt. Wie aber z.B. CNBC berichtet gibt es aber offenbar schon konkretisierte Erwartungen zu den Folgen für die Bürger. So wird erwartet, dass ein positiver Score-Wert durchaus Vergünstigungen bringt. Man wird leichter einen Kredit erhalten können.

Auf der anderen Seite führt ein negativer Score aber zu einer Bestrafung z.B. zum Verbot der Bekleidung von herausgehobenen Funktionen wie der eines Geschäftsführers oder aber auch zu Reiseverboten.

Staatliche und private Pilotprojekte

Obwohl die Einführung eines staatlichen Scorings noch aussteht, gibt es aber bereits eine Reihe von Pilotprojekten und die Bewertung von Bürgern wird in Provinzen offenbar bereits getestet.

Weit fortgeschritten ist bereits der sog. „Sesame Credit“ – einer Dienstleistung einer Tochter des chinesischen Amazon-Gegenstücks „Alibaba“. Für die Berechnung der Bonität werden beim „Sesame Credit“ allerdings nicht nur relevante Informationen wie z.B. das Zahlungsverhalten in der Vergangenheit, sondern auch Äußerungen in sozialen Medien oder die Geneigtheit zu inländischen Produkten herangezogen.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen

Bevor nun voreilig China für diese Pläne kritisiert wird: Es sollte nicht vergessen werden, dass es auch in Deutschland eine ganze Reihe von Datenbanken gibt, die ebenfalls ein Scoring des Einzelnen beinhalten. Man denke nur an Auskunfteien wie z.B. die Schufa, die ebenfalls eine ganze Reihe von Informationen verwertet, die über das eigentliche Zahlungsverhalten hinausgehen. So wird offenbar auch das Umzugsverhalten zu Errechnung der Bonität verwendet.

Daneben gibt es aber auch staatliche Register, die ebenfalls ein quasi Scoring darstellen. Zu nennen ist hier z.B. das Bundeszentralregister in dem Vorstrafen gespeichert werden. Ein „negativer“ Eintrag im Bundeszentralregister kann massive Auswirkungen auf das Berufsleben haben.

Nicht vergessen werden dürfen natürlich auch die US-amerikanischen Datenriesen wie z.B. Google, Facebook und Amazon sowie westliche Geheimdienste, die eine solche Vielzahl von Daten sammeln, dass die Vergabe eines „Social Credibility Scores“ sicherlich jederzeit möglich wäre. Auch wenn man den Datensammlern glauben will, dass die Daten nur zur Optimierung des Nutzererlebnisses und verbesserten Werbeanzeigen bzw. Terrorismusabwehr genutzt werden: Der Datengrundlage ist vorhanden.

Fiktion und Realität

Als möglicherweise wahrwerdende Fiktion habe ich eingangs das Buch „Zero“ von Marc Elsberg erwähnt. Es gibt noch eine Reihe weiterer Bücher, die ähnlich drastisch eine Welt ausmalen, die eine Totalüberwachung von gläsernen „Bürgern“ beinhaltet. Genannt werden kann hier z.B. noch „David Eggers – The Circle“ oder aber der Klassiker „George Orwell – 1984“. Es sollte jedermann eines ganz klar sein: Die Szenarien aller dieser Bücher können mit dem heutigen Stand der Technik jederzeit Wirklichkeit werden. Und auch wenn uns heute z.B. die deutsche und europäische Gesetzgebung vor einem solchen Scoring schützen mag. Gesetze können jederzeit geändert werden.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Als Gegenstück zu den genannten Dystopien empfehle ich „Little Brother“ von Cory Doctorow – der Protagonist versucht gezielt, die Überwachungssysteme auszutricksen. Jugendbuch, ab 14 J.

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